Das Reich des Pinot Noir. Die Montagne de Reims bringt kraftvolle, strukturierte Champagner mit Tiefe und langem Reifepotenzial hervor – das Rückgrat vieler großer Cuvées.
Bei uns finden Sie Grower-Champagner von hier: ehrliches Winzerhandwerk statt großer Marke.
Der Alain Suisse Brut Nature Premier Cru kommt ohne jede Dosage in die Flasche und zeigt Cumières deshalb ungeschminkt. Der Familienbetrieb bewirtschaftet in diesem Premier-Cru-Dorf der Grande Vallée de la Marne drei Hektar, bepflanzt mit Pinot Noir, Chardonnay und Meunier; alle drei Sorten gehen in die Cuvée ein. Abgefüllt wird mit 12,8 % Vol. in der 0,75-Liter-Flasche. Grüner Apfel, Zitronenzeste und Birne treffen auf Hefegebäck, blanchierte Mandel und einen kreidigen Zug. Weil das Zuckerpolster fehlt, bleibt der Champagner schlank, salzig und spröde frisch — ein Aperitif für Trinker, die Süße als Störung empfinden.
Die Verkostungsnotiz des Alain Suisse Brut Nature Premier Cru
FARBE: Helles Grüngelb mit silbrigem Rand; die Perlage steigt in dünnen, langsamen Ketten auf und hält im Glas lange durch.
NASE: Zuerst Boskop-Apfel, Limettenschale und Williams-Birne. Dahinter Akazienblüte und ein Anflug von Ingwer. Mit Luft treten Hefegebäck, blanchierte Mandel und feuchte Kreide hinzu.
GESCHMACK: Die Mousse ist feinkörnig, der Wein schmal gebaut und straff. Ohne Dosage steht die Säure ungepolstert im Vordergrund, gestützt von genügend Extrakt aus dem Pinot-Noir-Anteil. Der Eindruck reicht von trocken bis knochentrocken, wirkt aber nie hart.
FINALE: Klingt salzig und zitrisch aus, mit Kreidestaub und einem leicht bitteren Mandelrest, der zum nächsten Schluck auffordert.
Cumières: Premier Cru an den Südhängen über der Marne
Cumières ist in der Échelle des Crus mit 93 % bewertet und damit Premier Cru. Rund 172 Hektar Rebfläche verteilen sich auf Hänge, die nach Süden zum Fluss abfallen — eine Exposition, die die Trauben früh reifen lässt; Cumières gehört regelmäßig zu den ersten Gemeinden, die lesen. Unter der Lehmauflage liegen Kalk und Kreide mit Feuersteineinschlüssen. Pinot Noir und Meunier stellen zusammen mehr als drei Viertel der Rebfläche, Chardonnay knapp ein Fünftel; zusätzlich ist das Dorf für seinen roten Coteaux Champenois bekannt. Für einen Champagner ohne Dosage ist diese frühe Reife entscheidend: Sie liefert die Fruchtsubstanz, die den fehlenden Zucker ersetzen muss.
Alain und Janick Suisse, Winzer in Cumières seit 1870
Die Familie Suisse erzeugt in Cumières in vierter Generation Champagner; die Keller unter dem Haus in der Rue du Bois des Jots gehen bis etwa 1830 zurück. Alain und Janick Suisse bewirtschaften drei Hektar, verteilt auf 45 % Pinot Noir, 40 % Chardonnay und 15 % Meunier. Die Gassen werden mechanisch gepflügt, chemische Herbizide kommen nicht zum Einsatz; der Betrieb ist HVE-zertifiziert und befindet sich im dritten Jahr der Umstellung auf ökologischen Anbau. Im Keller wird bewusst wenig eingegriffen — weder Filtration noch Kältebehandlung.
Brut Nature: abgefüllt ohne Zuckerzusatz
Brut Nature erlaubt höchstens 3 g/l Restzucker; hier wird nach dem Dégorgement gar nicht mehr aufgezuckert. Damit fehlt dem Wein das übliche Polster, das kleine Unebenheiten glättet — er muss aus Traubenreife, Hefelager und Herkunft bestehen. Für eine jahrgangslose Cuvée schreibt die Appellation mindestens 15 Monate Reife vor, davon zwölf auf der Hefe; wie lange diese Charge tatsächlich lag, veröffentlicht der Betrieb nicht. Gefüllt wird ungefiltert, Angaben zu Dégorgement-Datum und exakten Sortenanteilen macht das Haus ebenfalls nicht.
Servieren und kombinieren
8 bis 10 °C genügen; zu kalt serviert verschließt sich die Aromatik, und ohne Dosage wirkt der Wein dann nur noch säurebetont. Ein bauchiges Weißweinglas bringt deutlich mehr zum Vorschein als eine schmale Flöte, Umfüllen ist unnötig. Passend sind Austern, rohe Gambas, Sushi und Sashimi, Ziegenfrischkäse, Vitello tonnato oder Bratkartoffeln mit Sauerrahm.
Häufige Fragen zum Alain Suisse Brut Nature Premier Cru
Was bedeutet Brut Nature?
Brut Nature, auch Dosage Zéro genannt, ist die trockenste Kategorie der Champagne und erlaubt maximal 3 g/l Restzucker. Bei diesem Wein wird nach dem Entfernen des Hefedepots kein Zucker zugesetzt. Was im Glas an Fülle ankommt, stammt allein aus Traubenreife und Hefelager.
Was sagt Premier Cru über diesen Champagner aus?
Premier Cru bezeichnet in der Champagne die Gemeinde, nicht eine einzelne Parzelle. 44 Dörfer sind in der Échelle des Crus mit 90 bis 99 % eingestuft, Cumières mit 93 %. Alle Trauben dieses Champagners stammen aus dem Dorf.
Was unterscheidet Winzerchampagner von den Weinen großer Häuser?
Ein Winzerbetrieb verarbeitet ausschließlich Trauben aus eigenen Weinbergen und ist damit auf ein Dorf oder wenige Lagen festgelegt. Große Häuser kaufen aus vielen Gemeinden zu und gleichen Jahrgangsunterschiede über Verschnitt aus. Bei drei Hektar in Cumières schlägt jede Eigenheit des Terroirs direkt durch.
Passt der Champagner auch zum Essen?
Ja, und zwar besser als viele dosierte Cuvées. Ohne Restzucker kollidiert er nicht mit salzigen oder säurebetonten Gerichten, weshalb Austern, rohe Fischgerichte und Zitronen-Vinaigretten gut funktionieren. Bei süßlichen Saucen oder Desserts wirkt er dagegen hart.
Wie sollte die Flasche gelagert werden?
Liegend, dunkel und kühl bei möglichst gleichmäßiger Temperatur hält sich die Flasche über Jahre. Champagner ohne Dosage entwickelt mit Flaschenreife typischerweise Noten von Nuss, Trockenobst und Brotkruste, verliert dafür etwas von der zitrischen Schärfe.
Die Alain Suisse Brut Nature Premier Cru Magnum enthält denselben ungezuckerten Cumières-Champagner wie die 0,75-Liter-Flasche, nur in 1,5 Liter. Das Format ist dabei mehr als Dekoration: Dem doppelten Volumen steht eine kaum größere Verschluss- und Kopfraumfläche gegenüber, der Sauerstoffeintrag pro Liter fällt geringer aus, und die Temperatur bewegt sich träger. Ergebnis ist eine langsamere, gleichmäßigere Reifung. Im Glas: 12,8 % Vol., grüner Apfel, Limette, Birnenschale, Hefegebäck und Kreide bei null zugesetztem Restzucker.
Die Verkostungsnotiz der Alain Suisse Brut Nature Premier Cru Magnum
FARBE: Blassgelb, grünlich reflektierend. Aus dem Großformat wirkt die Perlage im Glas erfahrungsgemäß etwas cremiger gebündelt.
NASE: Apfel und Limette, Birnenschale, weiße Blüten. Der Hefeton bleibt zurückhaltend und erinnert eher an frisches Brotinneres als an kräftige Brioche, begleitet von Kreide und einem Anflug Fenchelsaat.
GESCHMACK: Trocken bis an die Grenze, ohne jede Süße als Puffer. Die Säure ist der Motor, das Mousse verteilt sie feinkörnig; aus der Magnum wirkt die Textur ruhiger und geschlossener als aus der kleinen Flasche.
FINALE: Zitronenschale und ein feiner Bitterton von Mandelhaut, dazu viel Salz — der Abgang zieht sich hin.
Warum die Magnum langsamer reift
Eine Magnum fasst den Inhalt zweier Flaschen, verschlossen ist sie mit einem Korken derselben Größenordnung. Pro Liter Wein stehen damit weniger Verschlussfläche und weniger Kopfraum zur Verfügung, der Gasaustausch verlangsamt sich entsprechend. Zugleich besitzt die größere Flüssigkeitsmenge mehr thermische Trägheit: Schwankungen im Keller schlagen gedämpft durch. Beides zusammen führt zu einer ruhigeren Entwicklung — Champagner aus dem Großformat wirkt bei gleichem Alter oft jünger und geschlossener. Für einen Wein ohne Dosage, der keine Süße zum Überdecken hat, ist diese Gleichmäßigkeit besonders wertvoll.
Alain Suisse: drei Hektar im Premier Cru Cumières
Cumières trägt in der Échelle des Crus 93 % und damit Premier-Cru-Status; das Dorf liegt südexponiert über der Marne und reift früh. Alain und Janick Suisse bewirtschaften dort drei Hektar in vierter Generation, gefüllt wird unter dem Familiennamen seit 1870. Pinot Noir stellt 45 % der Rebfläche, Chardonnay 40 %, Meunier 15 %. Gearbeitet wird mit Pflug statt Herbizid, HVE-zertifiziert und im dritten Jahr der Bio-Umstellung; der Keller verzichtet auf Filtration und Kältebehandlung.
Null Dosage, gefüllt ins Großformat
Brut Nature bedeutet: nach dem Dégorgement kein Zuckerzusatz, der Restzucker bleibt unter 3 g/l. Die Grundweine sind dieselben wie bei der 0,75-Liter-Abfüllung, unterschiedlich ist allein das Gefäß, in dem der Wein seine Hefezeit verbringt. Ob dieser Champagner in der Magnum selbst nachgärt oder erst später ins Großformat gelangt, teilt der Betrieb nicht mit; ebenso fehlen veröffentlichte Angaben zu Hefelagerdauer, Dégorgement und exakten Sortenanteilen. Gefüllt wird ungefiltert.
Servieren und kombinieren
8 bis 10 °C, und weil 1,5 Liter länger brauchen, gehört die Magnum mindestens vier Stunden in den Kühlschrank oder eine halbe Stunde in einen Eimer mit Eis und Wasser. Ausgeschenkt wird ins bauchige Weißweinglas; Belüften oder Umfüllen wäre hier kontraproduktiv, weil es Kohlensäure kostet. Die Flasche reicht für zehn bis zwölf Gläser und trägt deshalb ein ganzes Menü: Austern zum Start, dann Sushi, Kalbstatar, gebratener Zander, Kartoffelgratin und Comté.
Häufige Fragen zur Alain Suisse Brut Nature Premier Cru Magnum
Wie viele Gläser ergibt eine Magnum?
1,5 Liter entsprechen zwei normalen Flaschen und damit etwa zehn bis zwölf Gläsern à 0,1 bis 0,15 Liter. Für eine Tafel mit sechs bis acht Personen ist das eine sinnvolle Größe, weil weniger oft geöffnet werden muss.
Reift Champagner im Großformat wirklich anders?
Das Verhältnis von Wein zu Verschlussfläche und Kopfraum ist günstiger, weshalb pro Liter weniger Sauerstoff eindringt. Zusätzlich erwärmt und kühlt sich die größere Menge langsamer ab. Die Entwicklung verläuft dadurch gleichmäßiger, in der Praxis oft auch langsamer.
Wie kühle ich eine Magnum richtig?
Am besten über Stunden im Kühlschrank oder zügig in einem hohen Kübel mit Eis und Wasser — reines Eis kühlt schlechter als die Mischung. Gefrierfach und Tiefkühler sind ungeeignet, weil sie den Druck erhöhen und die Aromatik betäuben.
Warum kommt dieser Champagner ohne Zuckerzusatz aus?
Die südexponierten Hänge von Cumières liefern früh reife Trauben mit ausreichend Extrakt. Wo Reife und Hefelager stimmen, braucht ein Champagner keine Dosage, um rund zu wirken. Der Wein zeigt dafür Herkunft und Rebsortencharakter ungeschminkt.
Lässt sich eine angebrochene Magnum aufbewahren?
Mit einem Druckverschluss und kühl gelagert bleibt sie ein bis zwei Tage trinkbar, verliert aber Perlage. Der klassische Löffel im Flaschenhals hilft nachweislich nicht. Besser ist es, das Format bewusst für größere Runden zu planen.
Der Alain Suisse Millésime Extra Brut Premier Cru 2017 ist ein Jahrgangschampagner aus Cumières, gefüllt also ohne Reserveweine anderer Jahre. Extra Brut steht für höchstens 6 g/l Restzucker. 2017 war in der Champagne ein Jahr der Selektion: Aprilfrost auf großer Fläche, ein außergewöhnlich nasser Juli und Regen zur Lese erzwangen strenges Aussortieren, wobei Chardonnay regionsweit am besten abschnitt. Der Wein kommt mit 12,8 % Vol. in der 0,75-Liter-Flasche und zeigt reifen Apfel, Quitte und Zitruszeste über Brioche, gerösteter Haselnuss und trockener Kreide.
Die Verkostungsnotiz des Alain Suisse Millésime Extra Brut Premier Cru 2017
FARBE: Deutlich tiefer als die jahrgangslosen Cuvées des Hauses: mittleres Goldgelb mit grünlichem Kern. Die Perlage steigt fein und über lange Zeit.
NASE: Reifer Cox-Apfel, Quitte und Mirabelle, dazu Zitronenzeste und weiße Blüten. Das lange Hefelager legt Brioche, geröstete Haselnuss und Butterkeks darüber, dahinter steht ein trockener Kreideton.
GESCHMACK: Die Mousse ist cremiger als bei den Non-Vintage-Weinen, der Körper etwas breiter. Reifearomen und Frucht halten die Säure in Balance, die knappe Dosage lässt den Wein trotz Reife straff erscheinen. Der Extrakt trägt bis in die Mitte, ohne süßlich zu werden.
FINALE: Zitrusbitterkeit und Nussschale tragen weit, darunter läuft eine salzig-kreidige Spur, die nach dem Schluck stehen bleibt.
Cumières 2017: früh reif, streng selektiert
Alle Trauben stammen aus Cumières, dem Premier-Cru-Dorf am Nordrand der Grande Vallée de la Marne. Die nach Süden geneigten Parzellen über dem Fluss reifen früh und zuverlässig — in einem Jahr, in dem Fäulnisdruck und Regen die Lese bestimmten, ist das ein handfester Vorteil. Unter der Lehmdecke geben Kalk und Kreide dem Jahrgangswein das mineralische Rückgrat, das ihn vor Breite bewahrt. Auf den rund 172 Hektar Rebfläche der Gemeinde dominieren Pinot Noir und Meunier, Chardonnay steht auf knapp einem Fünftel.
Der Familienbetrieb Suisse in der Rue du Bois des Jots
Alain Suisse führt den Betrieb gemeinsam mit Janick Suisse in vierter Generation; erzeugt wird in Cumières seit 1870. Die drei Hektar Rebfläche verteilen sich auf 45 % Pinot Noir, 40 % Chardonnay und 15 % Meunier. Gearbeitet wird mit dem Pflug statt mit Herbiziden, der Betrieb ist HVE-zertifiziert und stellt auf ökologischen Anbau um. Ein Millésime wird nur gefüllt, wenn der Jahrgang es aus Sicht des Winzers hergibt — deshalb erscheint er nicht in jedem Jahr.
Mindestens 36 Monate auf der Hefe — Vorschrift beim Millésime
Für einen Jahrgangschampagner verlangt die Appellation mindestens 36 Monate Reife auf der Hefe, gegenüber 15 Monaten bei jahrgangslosen Cuvées. Der 2017er hat diese Frist deutlich überschritten, was die Brioche- und Nussnoten erklärt. Nach dem Dégorgement bleibt die Dosage im Extra-Brut-Rahmen von maximal 6 g/l; den exakten Wert und das Dégorgement-Datum gibt das Haus nicht bekannt, ebenso wenig die Sortenanteile dieser Cuvée. Gefüllt wird ohne Filtration und ohne Kältebehandlung.
Servieren und kombinieren
Ein gereifter Jahrgangschampagner verträgt 10 bis 12 °C besser als Kühlschranktemperatur; unter 8 °C bleiben die Reifearomen verschlossen. Ein großes Weißweinglas ist Pflicht, die Flöte verschenkt hier am meisten. Er begleitet Bresse-Huhn in Rahmsauce, Kalbsbries, Steinbutt, Risotto mit Morcheln, lange gereiften Comté und Jakobsmuscheln aus der Pfanne.
Häufige Fragen zum Alain Suisse Millésime Extra Brut Premier Cru 2017
Was bedeutet Millésime auf dem Etikett?
Millésime kennzeichnet einen Jahrgangschampagner: Der Wein stammt vollständig aus der Lese eines Jahres, hier 2017, und enthält keine Reserveweine. Vorgeschrieben sind mindestens 36 Monate Reife auf der Hefe, viele Erzeuger lassen deutlich länger liegen.
Wie trocken ist Extra Brut?
Extra Brut erlaubt 0 bis 6 g/l Restzucker und liegt damit zwischen Brut Nature und Brut. Süße nimmt man in diesem Bereich kaum wahr; der Zucker rundet allenfalls die Kanten der Säure ab. Der genaue Wert dieser Charge ist nicht veröffentlicht.
Wie war 2017 in der Champagne?
Es war ein schwieriges, sehr uneinheitliches Jahr: Aprilfrost traf große Flächen, der Juli fiel überaus nass aus, und feuchte Wochen um die Lese führten zu Graufäule. Wer streng aussortierte, konnte gute Weine machen; Chardonnay gelang regionsweit besser als die Pinot-Sorten.
Lohnt weiteres Warten beim 2017er?
Bei knapper Dosage und langem Hefelager ist die Flasche auf weitere Jahre in kühler, dunkler Lagerung eingerichtet. Erwarten lässt sich eine Verschiebung von Frucht zu Nuss, Karamell und Trockenobst, während Perlage und Säure langsam nachgeben.
Warum ein großes Glas und keine Flöte?
Die Flöte betont den Aufstieg der Bläschen, gibt der Aromatik aber kaum Fläche. Ein Weißweinglas mit Bauch lässt Brioche, Nuss und Kreide erst hervortreten — bei einem Jahrgangschampagner mit langer Hefezeit ist das der entscheidende Unterschied.
Der Alain Suisse Rosé Brut Nature Premier Cru ist die rosafarbene, ungezuckerte Cuvée des Winzerbetriebs aus Cumières. Getragen wird sie vom Pinot Noir des Dorfes, das in der Échelle des Crus mit 93 % bewertet ist und damit als Premier Cru gilt. In der 0,75-Liter-Flasche stecken 12,8 % Vol. Walderdbeere, Himbeere und Hagebutte bestimmen das Bild, dazu Blutorangenschale und ein kühler Kreideton. Weil nach dem Dégorgement kein Zucker zugesetzt wird, bleibt dieser Rosé herb-fruchtig statt gefällig — näher am Speisenbegleiter als am Aperitif-Klischee.
Die Verkostungsnotiz des Alain Suisse Rosé Brut Nature Premier Cru
FARBE: Ein zwiebelschalenfarbenes Lachsrosa, kupfrig unterlegt. Die Perlage fällt fein aus, die Bläschen ziehen in ruhigen Schnüren nach oben.
NASE: Walderdbeere, Himbeere und rote Johannisbeere stehen vorn, dazu Hagebutte und Blutorangenschale. Später kommen getrocknete Rosenblätter, ein Hauch Rhabarber und eine kühle Kreidenote hinzu.
GESCHMACK: Die Mousse wirkt seidiger als beim weißen Schwesterwein, dahinter steht jedoch dieselbe kompromisslose Trockenheit. Rote Beerenhaut gibt dem Gaumen Griff, die Säure zieht schnurgerade durch, der Extrakt bleibt schlank.
FINALE: Der Abgang bleibt herb-fruchtig: Johannisbeerkern, Salz und trockene Kreide.
Pinot Noir aus dem Premier Cru Cumières
Cumières liegt am rechten Marne-Ufer, südexponiert, und zählt zu den frühreifsten Gemeinden der Champagne. Diese Wärme braucht ein Rosé: Nur reife rote Trauben liefern Farbe und Beerenaroma, ohne grüne Kanten mitzubringen. Die Böden aus Lehm über Kalk und Kreide, durchsetzt mit Feuerstein, geben dem Wein Zug und Salz. Pinot Noir stellt mehr als die Hälfte der Rebfläche des Dorfes; historisch ist Cumières zudem für kräftige rote Coteaux Champenois bekannt — genau dieses Rohmaterial steht hinter einem Rosé aus dem Ort.
Ein Drei-Hektar-Betrieb in vierter Generation
Hinter dem Etikett stehen Alain und Janick Suisse, die den Familienbetrieb in der Rue du Bois des Jots führen. Champagner entsteht hier seit 1870, aktuell auf drei Hektar mit allen drei Hauptsorten der Region. Gepflügt statt gespritzt: Herbizide sind gestrichen, der Betrieb trägt das HVE-Siegel und ist im dritten Jahr der Bio-Umstellung. Weder Filtration noch Kältestabilisierung greifen in den fertigen Wein ein.
Rosé ohne Zuckerkorrektur
Brut Nature heißt hier: nach dem Dégorgement wird nichts zugesetzt, der Restzucker bleibt unter 3 g/l. Bei einem Rosé ist das anspruchsvoll, weil Zucker sonst die Gerbstoffe aus der Beerenhaut abfedert; umso wichtiger sind Lesegut und Hefelager. Ob die Farbe über die Zugabe von Rotwein aus Cumières oder über eine kurze Mazeration auf den Schalen entsteht, gibt der Betrieb nicht bekannt. Auch zu Hefelagerdauer, Dégorgement und einem exakten Dosage-Wert liegen keine veröffentlichten Angaben vor, weshalb hier keine Zahlen genannt werden.
Servieren und kombinieren
8 bis 10 °C und ein bauchiges Weißweinglas — die schmale Flöte drückt bei einem Rosé gerade die Beerenaromatik weg. Belüften oder Umfüllen ist nicht nötig. Am Tisch funktioniert er zu Thunfisch-Tataki, Gegrilltem vom Iberico-Schwein, Entenbrust mit Kirschen, Lachs vom Grill, Erdbeeren mit schwarzem Pfeffer und mildem Ziegenkäse.
Häufige Fragen zum Alain Suisse Rosé Brut Nature Premier Cru
Wie entsteht die Farbe eines Rosé-Champagners?
Zwei Verfahren sind zugelassen: die Zugabe von stillem Rotwein derselben Herkunft zur Cuvée oder eine kurze Mazeration des Mostes auf den Beerenschalen, der sogenannte Rosé de saignée. Welches Verfahren bei diesem Wein zum Einsatz kommt, hat der Betrieb nicht veröffentlicht.
Ist Rosé-Champagner süßer als weißer?
Nein, die Farbe sagt nichts über den Zuckergehalt. Entscheidend ist allein die Dosage, und dieser Wein trägt die trockenste Stufe der Champagne. Die rote Frucht wird oft für Süße gehalten, ist aber nur Aromatik.
Warum verzichtet der Winzer auf Dosage?
Ohne Zuckerzusatz treten Herkunft, Rebsorte und Hefelager unverdeckt hervor. Das setzt reife, gesunde Trauben voraus, wie sie die südexponierten Hänge von Cumières regelmäßig liefern. Bei schwachem Lesegut würde diese Machart die Schwächen offenlegen statt sie zu kaschieren.
Welche Temperatur ist richtig?
8 bis 10 °C sind der sinnvolle Bereich. Unter 6 °C verschwinden Beerenaromen und Kreidenote fast vollständig, oberhalb von 12 °C tritt der Alkohol zu deutlich hervor. Eine halbe Stunde im Eiswasser reicht aus.
Lässt sich der Rosé lagern?
Ja, liegend und kühl gelagert entwickelt er über Jahre Noten von getrockneten Beeren, Orangenschale und Brotkruste. Wer die frische, klar umrissene rote Frucht schätzt, trinkt ihn eher zeitnah.
Billecart-Salmon Brut Réserve ist die Basiscuvée des Hauses und zugleich sein Stilmaßstab. Die Assemblage besteht laut Hausangabe aus 40 % Meunier von der Vallée de la Marne und den Südhängen um Épernay, 30 % Pinot Noir von der Montagne de Reims und aus der Grande Vallée de la Marne sowie 30 % Chardonnay aus verschiedenen Crus. Als Non-Vintage lebt der Champagner von seinen Reserveweinen: 50 bis 60 % des Verschnitts stammen aus älteren Jahren, insgesamt fließen bis zu 13 Erntejahre ein. Gefüllt wird die 0,75-Liter-Flasche in der Dosage-Stufe Brut. Im Glas zeigt sich ein goldgelber, auf weißfleischige Frucht und Biskuit gestimmter Champagner.
Die Verkostungsnotiz des Billecart-Salmon Brut Réserve
FARBE: Helles Goldgelb mit grünlichem Rand, dazu eine dichte, ausgesprochen kleinblasige Perlage von guter Ausdauer.
NASE: Zunächst Birne und knackiger Apfel, danach weiße Blüten und Limettenzeste. Erst im zweiten Anlauf schiebt sich eine ruhige Biskuitnote nach vorn, begleitet von einem Hauch Haselnuss.
GESCHMACK: Der Ansatz ist schlank und geradlinig, die Mousse fein und wenig aufdringlich. Getragen von frischer Säure bleibt der Extrakt zurückhaltend, die Brut-Dosage rundet lediglich ab, statt Süße zu setzen.
FINALE: Sauber und mittellang, mit kreidiger Struktur und einem leicht bitteren Zitrusnachhall.
40 Crus rund um Épernay als Grundlage der Assemblage
Für den Brut Réserve greift das Haus auf ein Netz von rund 40 Crus zurück, das überwiegend in einem Umkreis von etwa 20 Kilometern um Épernay liegt. Der Meunier kommt aus der Vallée de la Marne, wo tiefere, tonigere Böden für runde Frucht und frühe Zugänglichkeit sorgen. Der Pinot Noir stammt von der Montagne de Reims und aus der Grande Vallée de la Marne, der Chardonnay bringt aus den Kreidehängen die Straffheit ein. Diese Streuung über Teilregionen und Böden ist der eigentliche Grund, warum die Cuvée über Millionen Flaschen hinweg gleich schmecken kann.
Das Familienhaus Billecart-Salmon in Mareuil-sur-Aÿ
Billecart-Salmon entstand 1818 in Mareuil-sur-Aÿ, das heute administrativ zu Aÿ-Champagne gehört und als Premier Cru mit 99 % eingestuft ist. Die Familie führt das Haus in der siebten Generation, seit 2019 mit Mathieu Roland-Billecart an der Spitze. Etwa 100 Hektar sind eigene Rebfläche, die Produktion ist bewusst bei rund 2,5 Millionen Flaschen begrenzt. Im Keller stehen über 400 kleine und 24 große Holzfässer, die für einzelne Cuvées und Reserveweine genutzt werden.
Edelstahl, Reserveweine aus 13 Jahren, 30 Monate auf der Hefe
Die Grundweine des Brut Réserve vergären in Edelstahl, und zwar nach dem hauseigenen doppelten kalten Débourbage bei etwa 8 °C und anschließend 4 °C. Die Gärung selbst läuft bei 12 bis 13 °C über mehrere Wochen, was der Cuvée ihre schlanke, fruchtbetonte Anlage gibt. Über die malolaktische Gärung entscheidet der Kellermeister jahrgangsweise. Nach dem Tirage liegt der Champagner 30 Monate auf der Hefe und damit doppelt so lange wie die für Non-Vintage vorgeschriebenen 15 Monate; einzelne Quellen nennen für andere Chargen bis zu 36 Monate.
Servieren und kombinieren
8 bis 10 °C genügen, kälter serviert verliert die Cuvée ihre Birnen- und Blütennoten. Ein Weißweinglas ist der schmalen Flöte klar vorzuziehen, auf eine Karaffe kann man verzichten. Passend sind Austern und Muscheln, Sushi und Sashimi, gebratener Zander, Blätterteiggebäck mit Käse, gekochter Schinken sowie junger Comté.
Häufige Fragen zum Billecart-Salmon Brut Réserve
Warum steht auf dem Etikett kein Jahrgang?
Der Brut Réserve ist ein Non-Vintage-Champagner, also eine Cuvée aus mehreren Erntejahren. Genau das ist Absicht: Die Reserveweine – hier 50 bis 60 % des Verschnitts aus bis zu 13 Jahren – sollen jahrgangsbedingte Ausschläge ausgleichen.
Was leisten die Reserveweine geschmacklich?
Sie bringen Tiefe und die ruhigen Noten von Biskuit und Nuss ein, die ein reiner Jungwein nicht hätte. Gleichzeitig sorgen sie dafür, dass die Cuvée von Abfüllung zu Abfüllung erkennbar bleibt.
Was bedeutet die Dosage-Stufe Brut?
Brut erlaubt bis zu 12 g/l Restzucker. Der konkrete Wert dieser Cuvée wird vom Haus nicht veröffentlicht, geschmacklich wirkt sie klar trocken.
Warum ist der Meunier-Anteil so hoch?
Mit 40 % ist Meunier die tragende Sorte dieser Assemblage. Die Rebsorte reift früher als Pinot Noir, liefert saftige Kernobstfrucht und macht den Champagner schon jung zugänglich.
Wie unterscheidet sich der Brut Réserve vom Brut Rosé des Hauses?
Beide teilen Kellertechnik und Herkunftsnetz, doch dem Rosé wird zusätzlich rot vinifizierter Pinot Noir aus Mareuil-sur-Aÿ beigegeben. Der Brut Réserve bleibt weiß gekeltert und zeigt statt roter Beeren Birne, Apfel und Zitrus.
Billecart-Salmon Brut Rosé ist die bekannteste Cuvée des Familienhauses aus Mareuil-sur-Aÿ und entsteht als Assemblage, nicht durch Saignée. Chardonnay, Pinot Noir und Meunier werden getrennt vergoren; ein klein gehaltener Anteil rot ausgebauter Pinot Noir aus Mareuil-sur-Aÿ liefert die Farbe. Für die aktuelle Zusammensetzung nennt das Haus 45 % Chardonnay, 35 % Pinot Noir und 20 % Meunier, dazu rund 40 % Reserveweine. Abgefüllt wird mit 12,5 % Vol. in der 0,75-Liter-Flasche. Aromatisch bewegt sich der Champagner zwischen Walderdbeere, Himbeere, Zitrusschale und feinem Hefegebäck.
Die Verkostungsnotiz des Billecart-Salmon Brut Rosé
FARBE: Blasses Lachsrosa mit leicht kupfernem Schimmer, darüber eine sehr feine Perlage, die langsam und ausdauernd aufsteigt.
NASE: Walderdbeere und Himbeere führen den Duft an, dahinter liegen Blutorangenschale und ein Hauch Rosenblatt. Mit etwas Luft treten Mandel und feines Hefegebäck hervor, ohne die rote Frucht zu überdecken.
GESCHMACK: Die Mousse ist cremig und fein gegliedert, die Textur seidig. Eine klar gezeichnete Säure trägt roten Beerensaft und Zitrusfrische, während die Dosage im Hintergrund bleibt und den Champagner deutlich trocken wirken lässt.
FINALE: Mittellang bis lang, mit nachklingender Erdbeere, feiner Kreidenote und einem trocken-salzigen Zug.
Mareuil-sur-Aÿ: Premier Cru an der Grande Vallée de la Marne
Der Sitz des Hauses liegt in Mareuil-sur-Aÿ, seit 2016 Teil der Verwaltungsgemeinde Aÿ-Champagne. Das Dorf ist in der Échelle des Crus als Premier Cru mit 99 % eingestuft und liegt damit ganz knapp unter den Grand Crus. Die südexponierten Hänge über dem Marnetal stehen auf Belemniten-Kreide unter dünner Deckschicht, was dem Pinot Noir Reife ohne Schwere gibt. Genau dieser Pinot Noir liefert den Rotwein für den Rosé. Die übrigen Trauben stammen aus Grand- und Premier-Cru-Lagen der Champagne, überwiegend aus einem Radius von rund 20 Kilometern um Épernay.
Billecart-Salmon: seit 1818 in Familienhand
Das Haus geht auf die Heirat von Nicolas François Billecart und Elisabeth Salmon im Jahr 1818 zurück und wird heute in der siebten Generation von Mathieu Roland-Billecart geführt. Rund 100 Hektar bewirtschaftet die Familie selbst, weitere etwa 300 Hektar in 40 Crus liefern über langjährige Verträge Trauben. Die Jahresproduktion ist bei etwa 2,5 Millionen Flaschen gedeckelt. Gepresst wird ausschließlich das Herz der Cuvée: Der erste Saftanteil und die Taille bleiben außen vor, sodass aus vier Tonnen Trauben nur rund 1.800 Liter Grundwein entstehen.
Doppeltes kaltes Débourbage und 36 Monate Hefelager
Die technische Signatur des Hauses ist die lange kalte Gärung. Der Most wird zweifach kalt vorgeklärt, zunächst bei etwa 8 °C, anschließend bei rund 4 °C, ganz ohne Schönungsmittel. Danach vergärt er parzellen- und sortenweise in kleinen thermoregulierten Tanks von 47 Hektolitern bei nur 12 bis 13 °C, wo die Hefe rund sechs Wochen braucht statt der üblichen zwei. Über die malolaktische Gärung entscheidet der Kellermeister Jahr für Jahr neu. Der Brut Rosé reift anschließend 36 Monate auf der Hefe; für die dokumentierte Charge auf Basis 2021 sind 8 g/l Dosage belegt, aktuelle Etiketten führen die Cuvée als Extra Brut.
Servieren und kombinieren
Am besten kommt der Rosé bei 8 bis 10 °C ins Glas, und zwar in ein Weißweinglas statt in eine schmale Flöte: Der breitere Kelch lässt Erdbeere und Zitrus deutlich klarer heraustreten. Ein Umfüllen in eine Karaffe ist nicht nötig. Am Tisch passt er zu rohem Lachs und Beizfisch, zu gegrillten Langustinen, zu Entenbrust mit Kirschen, zu Ziegenfrischkäse mit Kräutern, zu Vitello tonnato und zu Desserts mit roten Beeren ohne viel Zucker.
Häufige Fragen zum Billecart-Salmon Brut Rosé
Wie entsteht die Farbe dieses Rosé-Champagners?
Sie kommt aus der Assemblage: Dem weiß gekelterten Grundwein wird ein kleiner Anteil rot vinifizierter Pinot Noir aus Mareuil-sur-Aÿ zugegeben. Beim Saignée-Verfahren würde man den Saft stattdessen auf den Schalen ziehen lassen, was meist mehr Farbe und mehr Extrakt ergibt.
Was ist mit der langen kalten Gärung bei Billecart-Salmon gemeint?
Das Haus vergärt seine Grundweine bei 12 bis 13 °C statt bei den üblichen 18 bis 20 °C. Die Hefe arbeitet dadurch langsamer und braucht etwa sechs Wochen, was frische Fruchtnoten und feine Aromen bewahrt.
Was bedeutet Premier Cru bei Mareuil-sur-Aÿ?
Die Échelle des Crus bewertet in der Champagne ganze Gemeinden, nicht einzelne Lagen. 17 Dörfer sind Grand Cru mit 100 %, 42 weitere Premier Cru mit 90 bis 99 % – Mareuil-sur-Aÿ erreicht 99 %.
Wie lange lässt sich die Flasche lagern?
Der Champagner ist mit 36 Monaten Hefelager trinkfertig auf den Markt gekommen und zeigt sich in den ersten Jahren nach dem Dégorgement am präzisesten. Liegend, dunkel und bei gleichmäßig kühler Temperatur gelagert, gewinnt er noch etwas Cremigkeit, bevor die rote Frucht nachlässt.
Wozu passt der Brut Rosé besonders gut?
Durch die trockene Dosage und die klare Säure funktioniert er als Essensbegleiter besser als viele süßer eingestellte Roséchampagner. Fisch, Krustentiere und helles Geflügel mit Fruchtkomponente sind die naheliegendsten Partner.
Champagner Art:
Cuvée
|
Farbe:
weiß
|
Herstellerland:
Frankreich
Bollinger Special Cuvée Brut ist der Non-Vintage des Hauses aus Aÿ und in Machart wie Stil auf Pinot Noir gebaut. Die Assemblage besteht aus 60 % Pinot Noir, 25 % Chardonnay und 15 % Meunier, über 85 % der Trauben stammen aus Grand- und Premier-Cru-Gemeinden. Reserveweine machen etwa die Hälfte des Verschnitts aus, ein Teil davon lagert jahrelang in Magnumflaschen unter Naturkork. Der Champagner kommt mit 12 % Vol. in der 0,75-Liter-Flasche und mit einer Dosage von 7 bis 8 g/l in den Handel. Sein Aromenbild geht in Richtung Quitte, Bratapfel, Walnuss und Brioche.
Die Verkostungsnotiz des Bollinger Special Cuvée Brut
FARBE: Kräftiges Goldgelb mit Bronzereflexen, die Perlage fein, aber energisch und über lange Zeit im Glas präsent.
NASE: Quitte, Bratapfel und getrockneter Pfirsich bilden den Kern. Darüber liegen Brioche, frische Walnuss und eine würzige Note, die an Zimtrinde und Kaffeebohne erinnert.
GESCHMACK: Vinös und breitschultrig, mit dichter Mousse und deutlichem Extrakt. Die Säure ist eingebunden statt spitz, kandierte Zitrone und Nussnoten geben dem Champagner Gewicht, die Dosage bleibt spürbar knapp.
FINALE: Lang und würzig, mit trockenem Nusston, feiner Kreidespur und einem Nachhall von Hefegebäck.
Aÿ: Grand Cru im Tal der Marne
Bollinger sitzt in Aÿ, einer der 17 Grand-Cru-Gemeinden der Champagne und einem der beiden Grand Crus der Vallée de la Marne. Die steilen Südhänge über dem Fluss stehen auf Kreide mit dünner Mergelauflage und gelten als klassisches Pinot-Noir-Terroir: reife, kräftige Weine mit festem Rückgrat. Insgesamt bewirtschaftet das Haus rund 180 Hektar, verteilt auf sieben Gebiete – neben Aÿ auch Avenay, Tauxières, Louvois, Verzenay, Cuis und Champvoisy. Der Chardonnay kommt vor allem aus Cuis an der Côte des Blancs, der Meunier aus Champvoisy im Westen.
Das Haus Bollinger, gegründet 1829
Am 6. Februar 1829 gründeten Athanase de Villermont, Joseph „Jacques" Bollinger und Paul Renaudin die Firma Renaudin-Bollinger & Cie in Aÿ. Bollinger zählt zu den letzten großen Häusern, die in Familienbesitz geblieben sind; die operative Führung liegt seit 2008 in professionellen Händen. Eine hauseigene Qualitätscharta legt fest, dass mindestens 60 % der Trauben aus eigenen Weinbergen kommen. Pinot Noir nimmt über 60 % der Rebfläche ein und bildet in jeder Cuvée das Gerüst.
Alte Barriques, Magnum-Reserven und Hefelager über der Vorschrift
Ein Teil der Grundweine vergärt in kleinen, alten Holzfässern; im Bestand sind rund 4.000 Barriques, von denen manche fast hundert Jahre alt sind und von einem eigenen Küfer instand gehalten werden. Neues Holz kommt nicht zum Einsatz, weshalb die Fässer Struktur und oxidative Ruhe geben, aber keinen Vanilleton. Die malolaktische Gärung wird durchgeführt. Die Reserveweine lagern zum Teil in Magnumflaschen unter Naturkork, dieser Praxis folgt das Haus seit 1890; sieben bis fünfzehn Jahre alte Magnum-Reserven fließen mit einem kleineren Anteil in die Assemblage ein. Anschließend reift der Special Cuvée deutlich länger auf der Hefe als die vorgeschriebenen 15 Monate – für die dokumentierte Charge auf Basis 2018 sind vier Jahre belegt.
Servieren und kombinieren
Wegen seiner Reife und seines Extrakts verträgt dieser Champagner die obere Grenze: 10 bis 12 °C bringen mehr als eisige 6 °C. Ein Weißweinglas mit Bauch ist Pflicht, eine schmale Flöte verschenkt die Nusstöne; ein Umfüllen erübrigt sich. Er hält gebratenem Geflügel, Kalbsbries, Steinpilzrisotto, gereiftem Comté, geräucherter Forelle und einer Tarte mit Bratapfel stand.
Häufige Fragen zum Bollinger Special Cuvée Brut
Was bringt der Fassausbau der Reserveweine?
Die alten, mehrfach belegten Barriques geben keinen Holzton, sondern erlauben eine minimale Sauerstoffzufuhr. Daraus entstehen die nussigen und würzigen Noten, die den Special Cuvée von rein im Edelstahl erzeugten Champagnern unterscheiden.
Warum lagert Bollinger Reserveweine in Magnum?
In der Magnum reift Wein langsamer und gleichmäßiger als in der Normalflasche. Der Aufwand ist erheblich: Rund eine Million Magnums liegen im Keller, und für die Assemblage müssen sie einzeln von Hand geöffnet werden.
Wie schmeckt sich ein hoher Pinot-Noir-Anteil aus?
Pinot Noir liefert Körper, Extrakt und eine geradlinige Struktur, während Chardonnay eher Frische und Zitrus einbringt. Bei 60 % Pinot Noir wirkt der Champagner deshalb kräftiger und vinöser als eine chardonnaybetonte Cuvée.
Was heißt Grand Cru bei Aÿ?
Die Échelle des Crus bewertet in der Champagne ganze Gemeinden. Aÿ gehört zu den 17 Dörfern mit der Höchstbewertung von 100 % und ist damit Grand Cru – nicht eine einzelne Lage, sondern das gesamte Gemeindegebiet.
Lohnt sich weitere Lagerung?
Der Special Cuvée kommt trinkfertig auf den Markt, gewinnt liegend und kühl gelagert aber noch an Nuss- und Gebäcknoten. Fünf Jahre nach dem Dégorgement sind unproblematisch, danach verschiebt sich das Profil merklich zum Tertiären.
Der Hugues Godmé Brut Nature ist ein Blanc de Noirs aus reinem Pinot Noir der Grand-Cru-Gemeinden Verzenay und Verzy an der Montagne de Reims. Dosiert wird nicht: null Gramm Zucker nach dem Dégorgement. Der Wein liegt lange auf der Hefe — Fachhändler nennen mehr als fünf, teils bis zu zehn Jahre Kellerzeit — und kommt mit 12 % Vol. in die 0,75-Liter-Flasche. Zu erwarten sind reife rote Frucht, Kirschkern und Quitte, dazu Brotkruste, Trockenobst und der salzig-kreidige Zug, für den Verzenay steht. Der Betrieb arbeitet biologisch und biodynamisch zertifiziert.
Die Verkostungsnotiz des Hugues Godmé Brut Nature
FARBE: Ein tiefes Goldgelb, kupfrig schimmernd, wie es lange gereifte Blanc de Noirs annehmen. Feine, beharrliche Perlage.
NASE: Zunächst Sauerkirsche, Himbeere und Quitte, dann Blutorangenschale. Fassvinifikation und Jahre auf der Hefe bringen Brotkruste, Haselnuss und getrocknete Aprikose ins Spiel; darunter liegt feuchte Kreide.
GESCHMACK: Seidige, dicht gepackte Mousse und ein Körper, der für einen Champagner ohne Dosage viel Substanz mitbringt. Die Säure wirkt salzig statt spitz, der Extrakt aus dem Pinot Noir trägt weit. Trocken vom ersten bis zum letzten Eindruck.
FINALE: Kirschkern und feine Würze über salzig-kreidigem Grund; der Nachhall bleibt auffallend lange stehen.
Verzenay und Verzy: Grand Cru an der Nordflanke der Montagne de Reims
Verzenay gehört zu den 17 Grand-Cru-Gemeinden der Champagne, Verzy wurde 1985 in diese Gruppe aufgenommen. Beide liegen an der nach Norden und Nordosten geneigten Flanke der Montagne de Reims — eine kühle Exposition, die die Reife bremst und die Säure erhält. Unter dünner Auflage steht Belemniten-Kreide, die Wasser speichert und im Wein als Salzigkeit ankommt. Verzenay gilt seit Generationen als Referenzadresse für straffen, körperreichen Pinot Noir, und genau diese Verbindung von Kraft und Kühle prägt den Brut Nature. Wichtig zum Verständnis: In der Champagne hängt der Cru-Status an der Gemeinde, nicht an der einzelnen Parzelle.
Hugues Godmé, Récoltant-Manipulant in Verzenay
Hugues Godmé bewirtschaftet rund 7,5 Hektar, aufgeteilt in etwa 40 Parzellen in Verzenay, Verzy, Villers-Marmery und Villedommange. Etwa 3 Hektar stehen im Chardonnay, 2,8 im Pinot Noir, 1,8 im Meunier; die Reben sind im Schnitt 30 Jahre alt, die ältesten über 60. Als Récoltant-Manipulant verarbeitet er ausschließlich eigene Trauben — das ist der Kern des Begriffs Winzerchampagner. 2006 brach er mit der Betriebstradition und begann die Umstellung: 2013 folgte die Bio-Zertifizierung, 2014 die biodynamische über Biodyvin. Seit 2021 arbeitet Tochter Lucile mit, die Jahresproduktion liegt bei etwa 50.000 Flaschen.
Spontangärung im alten Holz, null Dosage
Gelesen wird von Hand, gepresst werden ganze Trauben, und jede Parzelle vergärt für sich — spontan mit den eigenen Hefen, in gebrauchtem Holz und Zementbehältern. Die Moste laufen über Schwerkraft, die malolaktische Gärung findet gar nicht oder nur teilweise statt, was die Säure erhält. Anschließend liegt der Wein je nach Cuvée drei bis acht Jahre auf der Hefe; für den Brut Nature nennen Händler mehr als fünf, in einem Fall rund zehn Jahre Kellerreife. Gefüllt wird ohne Schönung und Filtration, mit sehr niedrigem Schwefel und ohne Zuckerzusatz.
Servieren und kombinieren
Wegen der Reife eher 10 bis 12 °C als 8; eiskalt verliert der Wein seine Röst- und Trockenobstnoten. Ein bauchiges Weißweinglas ist hier keine Empfehlung, sondern Voraussetzung — die Flöte unterschlägt genau die Aromen, für die man diesen Champagner kauft. Gut passen Hummer, gebratene Jakobsmuscheln, Poularde mit Pilzen, Wolfsbarsch in der Salzkruste, Kalbsschnitzel in Butter und gereifter Comté.
Häufige Fragen zum Hugues Godmé Brut Nature
Was ist ein Blanc de Noirs?
Ein Blanc de Noirs entsteht ausschließlich aus roten Trauben, die weiß gekeltert werden — der Saft bleibt hell, weil er nicht auf den Schalen steht. Hier ist es reiner Pinot Noir aus Verzenay und Verzy. Solche Weine wirken meist körperreicher und breiter als ein Blanc de Blancs.
Was bedeutet Récoltant-Manipulant?
Ein Récoltant-Manipulant baut ausschließlich Trauben aus eigenen Weinbergen selbst aus und füllt sie unter eigenem Namen ab. Das Kürzel RM steht auf dem Etikett. Es ist die Kategorie, die man umgangssprachlich als Winzerchampagner bezeichnet.
Schmeckt ein Champagner ohne Dosage sauer?
Nicht zwingend. Fehlt der Zucker, tritt die Säure unverdeckt hervor — reifes Lesegut und langes Hefelager liefern aber Extrakt und Cremigkeit, die dieselbe Aufgabe übernehmen. Bei jahrelanger Hefezeit wie hier wirkt das Ergebnis eher salzig und breit als spitz.
Was zeichnet Verzenay als Grand Cru aus?
Die kühl nach Norden gerichteten Hänge auf Kreide liefern Pinot Noir mit hoher Säure und deutlicher Struktur. Verzenay ist eines von 17 Dörfern mit 100 % in der Échelle des Crus und traditionell eine der wichtigsten Pinot-Noir-Adressen der Region.
Ist der Brut Nature jetzt trinkfertig?
Der Wein kommt schon mit erheblicher Kellerreife auf den Markt und ist trinkfertig. Bei kühler, dunkler Lagerung entwickelt er weiter in Richtung Trockenfrüchte, Nuss und Karamell, während die Perlage feiner wird. Wer die rote Frucht klar umrissen mag, sollte nicht zu lange warten.
Der Hugues Godmé Fins Bois ist die im Fass vinifizierte Grand-Cru-Cuvée des Verzenayer Betriebs: 60 % Pinot Noir und 40 % Chardonnay aus den Parzellen Les Chaillots und Les Vignes Goisses in Verzenay sowie Les Bussets in Verzy. Rund 80 % gären im Holz, die malolaktische Gärung läuft nur zu etwa 30 % durch, das Hefelager beträgt vier Jahre und die Dosage 4 g/l — damit ein Extra Brut. Abgefüllt mit 12 % Vol. in 0,75 Liter, zeigt er gelbe Frucht, Mandel, Brioche und einen deutlich salzigen Kreidezug. Reserveweine aus fünf und mehr Jahrgängen geben der Assemblage Tiefe.
Die Verkostungsnotiz des Hugues Godmé Fins Bois
FARBE: Kräftiges Strohgelb mit goldenem Kern. Kleine Bläschen, gleichmäßige Ketten, eine ausgesprochen feine Perlage.
NASE: Reifer Apfel, Mirabelle und Birne, dazu Zitronenmelisse. Aus dem Fass kommen Mandel, Brioche, Vanilleschote und ein Hauch Röstsesam; die Kreidenote bleibt trotz Holz gut sichtbar.
GESCHMACK: Cremige, fast dichte Mousse und ein breiterer Körper als bei den unverholzten Weinen des Hauses. Weil die malolaktische Gärung nur zu rund einem Drittel durchlief, bleibt viel Äpfelsäure erhalten und hält den Wein straff. Die 4 g/l Dosage sind nicht als Süße spürbar, sondern nur als weichere Kante.
FINALE: Ruhig und lang auslaufend: Nuss, feines Holzgewürz, darunter reichlich Salz und Kreide.
Drei Grand-Cru-Parzellen in Verzenay und Verzy
Die Trauben kommen aus Les Chaillots und Les Vignes Goisses in Verzenay sowie aus Les Bussets in Verzy — beides Grand-Cru-Gemeinden der Montagne de Reims. Die Böden sind kreidig, die Hänge kühl exponiert; Pinot Noir liefert hier Struktur und Salz, Chardonnay Spannung und Zitrusnerv. Dass zwei Gemeinden in einer Cuvée zusammenkommen, ist beim Grand Cru zulässig, weil die Einstufung dem Dorf gilt und beide mit 100 % bewertet sind. Verzy erhielt diesen Status erst 1985.
Biodynamie in vierter Generation
Der Betrieb in der Rue de Verzy geht auf Großvater Joseph zurück, der nach dem Zweiten Weltkrieg begann, selbst abzufüllen; Hugues Godmé erhielt 1976 seinen ersten Weinberg. 2006 stellte er gegen die Familientradition auf ökologischen Anbau um — 2013 kam das Bio-Zertifikat, 2014 die Biodyvin-Zertifizierung für Biodynamie. Auf etwa 7,5 Hektar verteilen sich rund 40 Parzellen in vier Gemeinden, die Jahresproduktion bleibt bei ungefähr 50.000 Flaschen. Als Récoltant-Manipulant verarbeitet Godmé nur eigene Trauben, seit 2021 gemeinsam mit seiner Tochter Lucile.
80 % Fassgärung, 30 % Malo, vier Jahre Hefelager, 4 g/l
Vier Fünftel des Weins gären und reifen im gebrauchten Holzfass auf der Feinhefe, aufgerührt wird dabei so gut wie nicht. Die malolaktische Gärung läuft nur zu etwa 30 % durch; der Rest behält seine Äpfelsäure und damit die Frische, die das Holz sonst überdecken würde. Reserveweine aus mindestens fünf Jahrgängen gehen in die Assemblage ein, danach folgen vier Jahre auf der Hefe in der Flasche. Dosiert wird mit 4 g/l, gefüllt ohne Schönung und ohne Filtration, mit zurückhaltendem Schwefel und eigenen Hefen.
Servieren und kombinieren
10 bis 12 °C bringen Fass- und Hefenoten am besten zur Geltung; unter 8 °C bleibt vom Holz nur eine Kante übrig. Serviert wird im großen Weißweinglas, nicht in der Flöte. Am Tisch ist der Fins Bois die gastronomischste Cuvée des Hauses: Bresse-Huhn mit Morcheln, Kalbsrücken, gebratener Steinbutt, Risotto mit Parmesan, geräucherter Aal und Vacherin.
Häufige Fragen zum Hugues Godmé Fins Bois
Woher stammt der Name Fins Bois?
Der Betrieb erläutert den Namen nicht öffentlich. In der Praxis steht die Cuvée für die im Holzfass vergorene Grand-Cru-Assemblage des Hauses, und rund 80 % des Weins durchlaufen tatsächlich das Fass. Mit dem gleichnamigen Cognac-Cru hat sie nichts zu tun.
Was bedeutet Extra Brut?
Extra Brut erlaubt 0 bis 6 g/l Restzucker. Der Fins Bois liegt mit 4 g/l im oberen Teil dieses Bereichs — genug, um die Äpfelsäure abzupolstern, zu wenig, um als süß wahrgenommen zu werden.
Warum läuft die malolaktische Gärung nur teilweise durch?
Beim Malo wandeln Bakterien Äpfelsäure in die mildere Milchsäure um. Wer sie blockiert, behält Frische und Lagerfähigkeit; wer sie zulässt, gewinnt Cremigkeit. Godmé wählt bei dieser Cuvée bewusst einen Mittelweg von etwa 30 %, weil der hohe Fassanteil sonst zu weich wirken würde.
Ist der Fins Bois ein Jahrgangschampagner?
Nein, es ist eine jahrgangslose Assemblage mit Reserveweinen aus mindestens fünf Jahrgängen. Genau diese Tiefe unterscheidet ihn von einem Millésime, der nur die Lese eines Jahres enthält.
Was unterscheidet ihn vom Brut Nature des Hauses?
Der Brut Nature ist ein reiner Blanc de Noirs ohne jede Dosage und wirkt schlanker, salziger, kantiger. Der Fins Bois enthält 40 % Chardonnay, deutlich mehr Fass und 4 g/l Zucker — er ist breiter, würziger und der bessere Speisenbegleiter.
Der Hugues Godme Fins Les Champs St. Martin 2012 kommt aus einer einzigen Grand-Cru-Parzelle: Les Champs Saint Martin in Verzenay, 1,09 Hektar, bestockt mit Pinot Noir. Als Blanc de Noirs vergärt der Wein im 225-Liter-Burgunderfass, die malolaktische Gärung wird verhindert, danach folgen ein Jahr im Holz und eine lange Hefezeit in der Flasche. Über etwa 30 Zentimetern rotem Lehm steht hier reine Kreide — man schmeckt es. 2012 zählt zu den herausragenden Champagne-Jahrgängen, besonders für Pinot Noir. Angaben: 12 % Vol., 0,75 Liter, ohne Schönung, ohne Filtration und ohne nennenswerte Dosage.
Die Verkostungsnotiz des Hugues Godme Fins Les Champs St. Martin 2012
FARBE: Am Rand orangefarben schimmerndes, sattes Gold. Die Perlage bleibt fein und cremig, ohne nachzulassen.
NASE: Rote Frucht steht vorn: Sauerkirsche, Blutorange, getrocknete Erdbeere. Dahinter Brotkruste, Mandelnougat, Sesam und Pfeffer, dazu eine unüberhörbare Kreidenote, die an nassen Stein erinnert.
GESCHMACK: Konzentriert und muskulös, gleichzeitig nervig. Die Mousse ist dicht, der Extrakt breit, doch das verhinderte Malo und der fehlende Zucker halten alles auf Spannung; in der Mitte wird der Wein lebhafter und salziger statt weicher.
FINALE: Ein Nachhall, der eher an Mineralwasser als an Frucht denken lässt: Kirschkern, trockene Kreide, viel Salz, sehr lange Dauer.
Les Champs Saint Martin: 1,09 Hektar Kreide in Verzenay
Verzenay gehört zu den 17 Grand-Cru-Gemeinden der Champagne und ist die klassische Adresse für kraftvollen Pinot Noir. Die Parzelle Les Champs Saint Martin umfasst 1,09 Hektar; unter etwa 30 Zentimetern rotem Lehm liegt reine Kreide. Diese dünne Auflage über kalkigem Untergrund liefert die Salzigkeit, für die die Cuvée bekannt ist, und bremst zugleich die Reife. Weil die Cru-Einstufung in der Champagne an das Dorf gebunden ist, ist Les Champs Saint Martin keine amtliche Lagenbezeichnung, sondern der Parzellenname des Winzers.
Blanc de Noirs aus dem Jahrgang 2012
Der Wein trägt einen Jahrgang und darf sich Millésime nennen; vorgeschrieben sind dafür mindestens 36 Monate auf der Hefe, hier sind es Jahre mehr. 2012 gilt in der Champagne als sehr guter Jahrgang: Nach Frost, Hagel und Krankheitsdruck im Frühjahr brachten ein brillanter August und ein warmer September einen kleinen, gesunden Ertrag mit vorbildlicher Reife — Pinot Noir gelang dabei besonders gut. Blanc de Noirs heißt: rote Trauben, weiß gekeltert, hier zu 100 % Pinot Noir. Jahrgangskonzentration plus Verzenayer Kreide erklären, warum dieser Champagner mehr Körper mitbringt als die meisten.
Fassgärung, verhindertes Malo, keine Dosage
Die Trauben werden von Hand gelesen und als ganze Trauben gepresst; vergoren wird spontan im 225-Liter-Burgunderfass, ein Jahr bleibt der Wein darin auf der Feinhefe. Die malolaktische Gärung wird nicht zugelassen, damit die Äpfelsäure als Gerüst erhalten bleibt. Nach der zweiten Gärung liegt die Flasche Jahre auf der Hefe, degorgiert wird portionsweise über das Jahr verteilt. Bei seinen Lagenweinen verzichtet Godmé auf Dosage — Händlerangaben zu diesem Jahrgang schwanken zwischen Brut Nature und Extra Brut, ein exakter Wert ist nicht belegt.
Servieren und kombinieren
10 bis 12 °C, keinesfalls kälter, und ruhig eine halbe Stunde vor dem Trinken einschenken — dieser Champagner öffnet sich im Glas. Dazu ein Weißweinglas mit großem Bauch, keine Flöte. Am Tisch verlangt er Substanz: Taube, Kalbsbries, Hummer mit Butter, Steinbutt am Knochen, Trüffelbrioche und lange gereiften Beaufort.
Häufige Fragen zum Hugues Godme Fins Les Champs St. Martin 2012
Warum ist der Champagner golden und nicht rosé, obwohl er aus Pinot Noir besteht?
Die Farbe roter Trauben sitzt in der Schale. Werden die Trauben ganz und schnell gepresst, läuft der Saft nahezu farblos ab — das Ergebnis ist ein Blanc de Noirs. Das satte Gold dieser Flasche stammt aus Fassausbau und Flaschenreife, nicht aus Schalenkontakt.
Wie sollte der Name auf dem Etikett gelesen werden?
Die Cuvée heißt beim Winzer Les Champs Saint Martin. Das Wort Fins im Shop-Namen gehört nicht dazu, sondern stammt aus der Cuvée Fins Bois; St. Martin ist die abgekürzte Schreibweise von Saint Martin. Gemeint ist die Verzenayer Parzelle.
Wie gut war der Jahrgang 2012?
2012 gilt als einer der besten Champagne-Jahrgänge der letzten Jahrzehnte. Der Ertrag fiel klein aus, die Trauben waren gesund und ausgereift; für Pinot Noir sprechen Fachquellen vom besten Ergebnis seit Jahrzehnten. Entsprechend viele Häuser haben 2012 als Jahrgangswein gefüllt.
Was bringt die Gärung im Burgunderfass?
Das 225-Liter-Fass lässt minimalen Sauerstoffkontakt zu, was Aromen stabilisiert und die Textur breiter macht. Weil Godmé gebrauchte Fässer verwendet und kaum aufrührt, kommt kaum Holzaroma in den Wein — es bleibt bei Struktur und einer leichten Röstwürze.
Wie lange kann der 2012er noch liegen?
Mit erhaltener Äpfelsäure, ohne Dosage und mit jahrelangem Hefelager ist die Flasche auf weitere Jahre kühler Lagerung eingerichtet. Sie ist jetzt trinkbar und wird sich Richtung Nuss, Trüffel und Trockenobst verschieben, während die Perlage feiner wird.
Der Hugues Godme Fins Les Romaines 2011 ist ein Parzellenchampagner aus reinem Meunier. Die Lage Les Romaines liegt nicht in Verzenay, sondern in Villedommange in der Petite Montagne de Reims — Premier Cru — und umfasst 0,39 Hektar, 1988 bepflanzt. Der Wein vergärt im 225-Liter-Burgunderfass, die malolaktische Gärung wird blockiert, danach folgen ein Jahr Fassreife und Jahre auf der Hefe in der Flasche. Gefüllt wird ohne Schönung und Filtration, praktisch ohne Zuckerzusatz, mit 12 % Vol. auf 0,75 Liter. Im Glas: Mirabelle, Quitte, Brotkruste und ein auffallend salziges Ende.
Die Verkostungsnotiz des Hugues Godme Fins Les Romaines 2011
FARBE: Bernsteinreflexe im reifen Goldgelb — ein 2011er zeigt seine Jahre. Zarte Perlage, eher cremig als sprudelnd.
NASE: Mirabelle, Quitte und Bratapfel, dazu kandierte Zitronenschale. Meunier steuert eine weiche, fast fleischige Fruchtnote bei; aus Fass und Hefelager kommen Brotkruste, Walnuss, Honig und getrocknete Kräuter.
GESCHMACK: Weich einsetzend, dann überraschend straff. Ohne Zuckerkorrektur bleibt die Äpfelsäure des verhinderten Malo als klarer Nerv erhalten, die Textur ist von der Fassreife her ölig-cremig, das Salz zieht durch die Mitte.
FINALE: Quittenkern, Kreidestaub und Salz — spröde im besten Sinn und von großer Länge.
Les Romaines in Villedommange: Premier Cru der Petite Montagne
Villedommange, oft Ville-Dommange geschrieben, liegt westlich von Reims in der Petite Montagne und ist als Premier Cru eingestuft. Les Romaines ist dort eine Parzelle von 0,39 Hektar, 1988 mit Meunier bepflanzt. Die Krume ist mit 20 bis 30 Zentimetern ausgesprochen dünn, darunter beginnt kreidiger Untergrund — die Wurzeln stehen also nahezu unmittelbar im Kalk, was die Salzigkeit des Weins erklärt. Für Godmé ist Villedommange die einzige Herkunft außerhalb der eigentlichen Montagne de Reims und damit ein bewusster Kontrast zum kühlen Verzenay.
Warum Meunier eine eigene Flasche verdient
Meunier gilt in der Champagne traditionell als dritte Sorte: gut für Fülle und frühe Trinkreife, selten für lange Reife. Les Romaines widerspricht dieser Lesart. Ein Meunier von 1988er Reben, im Fass vergoren, ohne malolaktische Gärung und mit Jahren auf der Hefe, hält sehr wohl. Offiziell heißt die Sorte heute schlicht Meunier, nicht mehr Pinot Meunier. Im Glas verbindet sie eine runde, zugängliche Frucht mit der Kreidesalzigkeit des Untergrunds — eine Kombination, die weder Chardonnay noch Pinot Noir so zustande bringt.
Ein Winzer, 40 Parzellen, Biodynamie
Hugues Godmé bewirtschaftet von Verzenay aus rund 7,5 Hektar in etwa 40 Parzellen, verteilt auf Verzenay und Verzy als Grand Cru sowie Villers-Marmery und Villedommange als Premier Cru. Der Betrieb ist seit 2013 biozertifiziert und seit 2014 über Biodyvin biodynamisch, die Umstellung begann 2006. Als Récoltant-Manipulant füllt er nur eigene Trauben ab, rund 50.000 Flaschen im Jahr. Die Lagenweine sind der Kern seiner Arbeit: Jede Parzelle wird getrennt vinifiziert, die besten reifen direkt im Fass und erhalten keine oder kaum Dosage. Degorgiert wird portionsweise über das Jahr.
Servieren und kombinieren
Ein 2011er Parzellenchampagner will 10 bis 12 °C und Zeit im Glas; direkt aus dem Kühlschrank bleibt die Hälfte verborgen. Ein Burgunderglas oder ein großes Weißweinglas ist die richtige Wahl. Er trägt kräftigere Gerichte als die meisten Champagner: Bresse-Huhn aus dem Ofen, Kalbsnieren, Blutwurst mit Apfel, gebratene Gänseleber, Steinpilzrisotto und einen gut gereiften Chaource.
Häufige Fragen zum Hugues Godme Fins Les Romaines 2011
Warum steht im Produktnamen das Wort Fins?
Auf dem Etikett heißt die Cuvée schlicht Les Romaines. Das zusätzliche Fins stammt sehr wahrscheinlich aus der Schwester-Cuvée Fins Bois und ist ein Übertragungsfehler im Katalog. Gemeint ist in jedem Fall dieser Parzellenchampagner aus Villedommange.
Wieso Premier Cru, wenn Godmé auch Grand Cru besitzt?
Weil die Einstufung an der Gemeinde hängt, nicht am Erzeuger: Diese Parzelle liegt in Villedommange, einem der 44 Premier-Cru-Dörfer mit 90 bis 99 % in der Échelle des Crus. Godmés Grand-Cru-Flächen liegen dagegen in Verzenay und Verzy. Les Romaines selbst ist ein Parzellenname des Winzers, keine amtliche Lagenbezeichnung.
War 2011 ein guter Champagne-Jahrgang?
Nein, 2011 gilt insgesamt als schwaches, sehr uneinheitliches Jahr — Regen zur falschen Zeit und niedrige Mostgewichte. Nur wer streng aussortierte, kam zu überzeugenden Weinen; dass hier überhaupt ein Lagenwein gefüllt wurde, setzt genau diese Auslese voraus.
Warum wird die malolaktische Gärung verhindert?
Bleibt die Äpfelsäure erhalten, behält der Wein Frische und Zugkraft über viele Jahre. Bei einem Meunier, der von Natur aus eher weich und rund ausfällt, ist das die wichtigste Gegenkraft. Kombiniert mit fehlender Dosage ergibt das den straffen, salzigen Charakter dieser Flasche.
Ist der 2011er jetzt am richtigen Punkt?
Der Wein kommt mit erheblicher Reife auf den Markt und ist jetzt zugänglich. Kühl und dunkel gelagert entwickelt er weiter in Richtung Honig, Nuss und Trockenobst, während die Perlage nachlässt. Eine Faustregel für Parzellenchampagner ohne Dosage: eher am Nachmittag öffnen als zehn Jahre warten.
Leclerc-Briant Blanc de Meuniers Premier Cru Brut ist ein reinsortiger Champagner aus Meunier — jener Rebsorte, die knapp ein Drittel der Champagne bestockt und trotzdem fast immer im Verschnitt verschwindet. Die Trauben stammen aus Premier-Cru-Lagen, allen voran aus Chamery in der Petite Montagne de Reims, wo Meunier mit rund 42 Prozent der Fläche die Hauptsorte ist. Gärung und Ausbau der Grundweine laufen rund zehn Monate in gebrauchten französischen Barriques, danach reift der Champagner mehrere Jahre auf der Hefe und wird sehr knapp dosiert gefüllt. Mit 12 % Vol. in der 0,75-Liter-Flasche zeigt er ein kräftiges Goldgelb und ein Aromenbild aus Mirabelle, Blutorange, gerösteter Mandel und salziger Brotkruste. Meininger vergab 93, Decanter 92 Punkte.
Die Verkostungsnotiz des Leclerc-Briant Blanc de Meuniers Premier Cru Brut
FARBE: Kräftiges Goldgelb mit grünlichem Rand. Feine, langsame Bläschenketten steigen auf, die Perlage hält sich ausdauernd.
NASE: Zuerst Mirabelle, gelbe Himbeere und Blutorange, dahinter Orangenblüte und Holunder. Der Barriqueausbau zeigt sich nicht als Holzton, sondern als geröstete Mandel und warme Brotkruste. Ein rauchiger Feuersteinzug bleibt bis zuletzt präsent.
GESCHMACK: Die Mousse ist cremig und breit angelegt, weniger schäumend als tragend. Meunier liefert Fülle und runde gelbe Frucht, die Säure hält sie mit Quitten- und Zitronenschalenbiss in Form. Von Dosage ist praktisch nichts zu spüren, der Wein wirkt spürbar herb.
FINALE: Salzig, herb und sehr lang, getragen von Zitronengras und Muskat. Der Nachhall bleibt trocken und steinig.
Meunier aus dem Premier Cru Chamery
Chamery liegt in der Petite Montagne de Reims, dem westlichen Ausläufer der Montagne, und ist in der Échelle des Crus mit 90 Prozent als Premier Cru eingestuft. Auf gut 200 Hektar Rebfläche stellt Meunier dort rund 42 Prozent, mehr als Chardonnay und Pinot Noir zusammen. Die Hänge weisen nach Norden und Nordosten, ein Teil der Parzellen steht auf sandigen Auflagen über dem Kalkuntergrund. Die kühle Exposition verzögert die Reife und erhält Säure, die sandigen Anteile geben dem Meunier seine duftige, unbeschwerte Frucht. Ergänzend kommen Trauben aus Premier-Cru-Gemeinden des Marne-Tals, der eigentlichen Heimat dieser Sorte.
Leclerc Briant in Épernay: Biodynamik lange vor dem Trend
Das Haus wurde 1872 von Lucien Leclerc in Cumières gegründet und trägt seinen Doppelnamen seit der Heirat von Bertrand Leclerc und Jacqueline Briant; Mitte der 1950er-Jahre zog es nach Épernay. Leclerc Briant gehört zu den frühen Biodynamikern der Region, die Flächen sind biologisch und biodynamisch zertifiziert. Nach dem Tod von Pascal Leclerc-Briant übernahmen 2012 Mark Nunnelly und Denise Dupré den damals angeschlagenen Betrieb, geführt wird er seither von Frédéric Zeimett, im Keller prägte ihn über Jahre Hervé Jestin. Die eigenen Parzellen liegen in Premier- und Grand-Cru-Gemeinden, dazu kommen Trauben aus zertifiziert biologischem Anbau. Bekannt ist das Haus für seine Gefäßversuche — horizontal gelagerte Terrakotta-Eier, ein innen mit Gold ausgekleidetes Fass — und für die Cuvée Abyss, die mehrere Monate in etwa 60 Meter Tiefe im Atlantik reift.
Zehn Monate Barrique, danach Jahre auf der Hefe
Gärung und Ausbau der Grundweine finden rund zehn Monate in gebrauchten französischen Barriques statt — gebraucht, damit das Holz Struktur gibt, ohne zu aromatisieren. Danach folgt die Flaschengärung mit zwei bis drei Jahren Hefelager sur lattes, aus dem die Mandel- und Gebäcknoten stammen. Diese Cuvée wird äußerst knapp dosiert: belegt sind je Abfüllung Werte zwischen 0 und 3 g/l, also Brut Nature bis Extra Brut. Die Auflage ist klein, für eine Charge nennt das Haus 2.800 Flaschen.
Servieren und kombinieren
Acht bis zehn Grad genügen; wegen des Fassausbaus wirkt der Champagner bei zehn bis zwölf Grad noch ausdrucksstärker. Ein Weißweinglas statt der schmalen Flöte ist hier wichtig, weil sich Mandel, Zitrusöl und Rauch erst mit Luft entfalten. Ein Umfüllen in eine Karaffe ist nicht nötig. Zur herben Machart passen gebratene Poulardenbrust, Kalbsbries, Steinpilzrisotto, Sushi mit fettem Lachs, geröstete Mandeln und ein junger Comté.
Häufige Fragen zum Leclerc-Briant Blanc de Meuniers Premier Cru Brut
Warum ein Champagner aus reinem Meunier?
Meunier gilt als Verschnittpartner für Fülle und weiche Frucht, reinsortige Abfüllungen sind selten. Fassausbau und langes Hefelager geben der Sorte eine Struktur, die man ihr üblicherweise nicht zutraut. Der Wein zeigt Meunier als eigenständige Sorte statt als Beigabe.
Was sagt die Einstufung Premier Cru aus?
Die Échelle des Crus stuft ganze Gemeinden ein, nicht einzelne Lagen: 17 Dörfer gelten als Grand Cru, rund 42 als Premier Cru. Chamery erreicht 90 Prozent und damit Premier-Cru-Rang. Für diese Cuvée werden ausschließlich so eingestufte Gemeinden verwendet.
Wie trocken ist dieser Brut tatsächlich?
Die Kategorie Brut erlaubt bis zu 12 g/l Restzucker. Leclerc Briant bleibt weit darunter, belegt sind Chargen zwischen 0 und 3 g/l, was Brut Nature bis Extra Brut entspricht. Am Gaumen wirkt der Champagner deshalb deutlich herber als ein durchschnittlicher Brut.
Wie lange entwickelt sich der Champagner weiter?
Fassgeprägte Meunier-Champagner mit mehrjährigem Hefelager entwickeln sich weiter; fünf bis zehn Jahre sind bei kühler, dunkler Kellerlagerung realistisch. Mit der Zeit treten Nuss-, Honig- und Trockenfruchtnoten stärker hervor, während die Frucht zurückweicht.
Was heißt biodynamische Arbeitsweise hier konkret?
Die Rebflächen sind biologisch und biodynamisch zertifiziert: keine synthetischen Herbizide und Insektizide, Pflege mit Komposten und Präparaten, Arbeit nach dem Kalender. Im Keller entspricht dem eine Vinifikation mit spontaner Gärung und sparsamem Schwefeleinsatz.
Leclerc-Briant Rosé Brut dreht die Erwartung an einen Rosé-Champagner um: Er besteht überwiegend aus Chardonnay, dem eine kleine Menge Pinot Noir als stiller Rotwein zugesetzt wird. Belegt sind je Abfüllung 93 bis 95 Prozent Chardonnay aus Chouilly und Montgueux, der Rest Pinot Noir aus Les Riceys. Daraus entsteht kein fruchtsüßer Sommerwein, sondern ein straffer, herber Champagner mit 12,2 % Vol. in der 0,75-Liter-Flasche. Zartes Rosa, Cranberry, Cassis, Rhabarber und Mandarine, rund drei Jahre Hefelager und eine knappe Dosage prägen das Bild. Falstaff vergab 93 Punkte, die Revue du Vin de France 16,5 von 20.
Die Verkostungsnotiz des Leclerc-Briant Rosé Brut
FARBE: Zartes Lachsrosa, kupfrig schimmernd, ohne viel Farbtiefe. Die Perlage besteht aus kleinen, zahlreichen Bläschen, die lange arbeiten.
NASE: Cranberry, Rhabarber und rote Johannisbeere treffen auf Mandarinenschale und Cassisknospe. Dahinter liegen Meringue, Mandelblüte und eine feine Rauchnote aus dem Holzanteil. Die Chardonnay-Basis hält den Duft schlank und kühl.
GESCHMACK: Dicht gewebte, feine Mousse; das Haus arbeitet mit reduzierter Tirage-Zuckergabe, weshalb der Wein weniger sprudelt und mehr trägt. Die rote Frucht bleibt herb und saftig, die Säure zieht gerade durch, dazu kommt salzige Würze. Restzucker ist kaum wahrnehmbar.
FINALE: Herb über Zitrusschale und Grapefruit, dazu ein salziger Zug und ein trockenes, gerades Ende.
Chouilly, Montgueux und Les Riceys: drei Terroirs in einer Flasche
Der Chardonnay kommt aus zwei sehr verschiedenen Herkünften. Chouilly ist eine Grand-Cru-Gemeinde am Nordrand der Côte des Blancs mit tiefer Belemniten-Kreide und liefert den geraden, salzigen Teil. Montgueux, ein isolierter Kreidehügel westlich von Troyes, steht für besonders reifen, breitschultrigen Chardonnay und gibt Fülle. Der Pinot Noir stammt aus Les Riceys in der Côte des Bar, der südlichsten Teilregion, wo Kimmeridge-Mergel statt Kreide den Untergrund bildet und rote Frucht herber ausfällt. Diese Streuung über mehr als 150 Kilometer erklärt den Stil: kühler Kreidezug von Norden, Reife aus Montgueux, straffe Beerenfrucht aus dem Süden.
Ein Haus in Épernay, das gegen die Konvention arbeitet
Leclerc Briant wurde 1872 gegründet, sitzt seit den 1950er-Jahren am Chemin de la Chaude Ruelle in Épernay und wird seit dem Eigentümerwechsel von 2012 durch Frédéric Zeimett geleitet. Die Rebflächen sind vollständig biologisch und biodynamisch zertifiziert; das Haus zählt zu den Wegbereitern dieser Arbeitsweise in der Champagne und füllte schon 1994 Einzellagen ab, als das in der Region kaum jemand tat. Zum Repertoire gehören Gärgefäße aus Terrakotta, ein goldbeschichtetes Fass und die im Atlantik gereifte Cuvée Abyss. Dass ein Rosé hier fast vollständig aus Chardonnay bestehen darf, passt genau in dieses Bild.
Assemblage statt Saignée, drei Jahre auf der Hefe
Die Grundweine gären spontan im Edelstahl, ein Teil des Pinot Noir im Holzfass. Der Pinot-Anteil wird als fertiger Rotwein zugegeben — das ist die Assemblage-Methode, im Gegensatz zum Saignée-Verfahren, bei dem die Farbe über Schalenkontakt in den Most kommt. Nach der Flaschengärung liegt die Cuvée etwa drei Jahre auf der Hefe. Für die jüngste Abfüllung sind Dégorgement im September 2025 und 2,5 g/l Dosage belegt, eine ältere Charge lag bei 5 g/l. Beim Tirage arbeitet das Haus mit verringerter Zuckergabe, was den Flaschendruck senkt und die Mousse weicher macht.
Servieren und kombinieren
Acht bis zehn Grad, keinesfalls eiskalt, sonst verschwindet die rote Frucht hinter der Säure. Ein bauchiges Weißweinglas bringt Mandarine und Meringue besser zur Geltung als eine Flöte; eine Karaffe braucht dieser Champagner nicht. Die herbe Machart passt zu Thunfisch-Tataki, rosa gebratener Entenbrust, Lachs vom Grill, Ziegenfrischkäse mit Roter Bete, Vitello tonnato und ungezuckerten Erdbeeren.
Häufige Fragen zum Leclerc-Briant Rosé Brut
Wie kommt die Farbe in diesen Rosé?
Über die Zugabe eines kleinen Anteils stillen Rotweins zur weißen Cuvée, das nennt man Rosé d'assemblage. Die Alternative wäre die Saignée, bei der Most kurz auf den roten Schalen bleibt und dabei Farbe und mehr Gerbstoff aufnimmt. Der Assemblage-Weg ergibt hellere, präziser einstellbare Rosés.
Warum steckt so viel Chardonnay in einem Rosé?
Weil das Haus Frische und Salzigkeit vor Beerenfülle stellt. Mit 93 bis 95 Prozent Chardonnay bleibt das Gerüst weiß und kühl, der kleine Pinot-Anteil steuert Farbe und rote Frucht bei. Rosé-Champagner dieser Machart sind in der Region eine klare Minderheit.
Was sagen 2,5 g/l Dosage über den Geschmack?
Der Wert liegt im Bereich Extra Brut und damit weit unter dem Brut-Limit von 12 g/l. Die Süße rundet nicht mehr ab, sondern ist nur noch als winziger Puffer vorhanden. Wer weiche, halbtrockene Rosés sucht, wird diesen Champagner als deutlich zu herb empfinden.
Ist er als Aperitif oder zum Essen gedacht?
Beides funktioniert, das Gewicht liegt jedoch beim Essen. Säure, Salzigkeit und die vinöse Textur tragen auch kräftigere Gänge, während ein süßlich dosierter Rosé dort schnell an seine Grenzen kommt. Als Aperitif wirkt er streng, aber appetitanregend.
Wie lange hält sich der Rosé nach dem Kauf?
Zwei bis drei Jahre im kühlen, dunklen Keller sind unproblematisch, danach verschiebt sich das Profil von Beere zu Trockenfrucht und Nuss. Da die Cuvée bereits mit mehreren Jahren Hefelager auf den Markt kommt, ist Warten kein Muss.
Leclerc-Briant Réserve Brut ist die Basiscuvée des Hauses und gleichzeitig sein Selbstporträt: 40 Prozent Meunier, 40 Prozent Pinot Noir, 20 Prozent Chardonnay, gezogen aus Gemeinden des Marne-Tals, der Montagne de Reims und der Côte des Blancs. Etwa ein Fünftel der Grundweine reift im Holzfass, der Rest im Edelstahl, die malolaktische Gärung läuft ohne Eingriff durch. Mit 12,1 % Vol. in der 0,75-Liter-Flasche zeigt der Champagner helles Goldgelb, Mandelcreme, Praline, Birne und einen klaren Zitruszug. Nach mehr als zwei Jahren auf der Hefe wird er mit rund 4,5 g/l dosiert und bleibt damit im unteren Brut-Bereich.
Die Verkostungsnotiz des Leclerc-Briant Réserve Brut
FARBE: Helles Goldgelb, klar und fließend, mit Strohreflexen im Kern. Feinperlig und cremig, eine aufschäumende Krone bildet die Perlage nicht.
NASE: Feingebäck und Blätterteig zuerst, danach Mandelcreme, Praline und ein Anflug orientalischer Gewürze. Darunter liegen Birne, weißer Pfirsich und ein Hauch Cassis. Der Holzanteil bleibt im Hintergrund und wirkt als Würze, nicht als Aroma.
GESCHMACK: Frischer, sauberer Auftakt, dann fleischige, knackige Frucht mit deutlichem Extrakt. Die Zitronensäure spannt den Wein, die malolaktische Gärung nimmt ihm dabei die Kanten. Bei 4,5 g/l stützt die Dosage nur und macht nichts süß.
FINALE: Mandel, Kerbel und Koriandergrün klingen mittellang bis lang aus, darunter ein trockener, kalkiger Nachklang.
Drei Teilregionen: Marne-Tal, Montagne de Reims und Côte des Blancs
Die Trauben kommen aus Cumières, Hautvillers, Mareuil-sur-Aÿ und Bisseuil im Marne-Tal, aus Villers-Allerand und Rilly-la-Montagne an der Montagne de Reims sowie aus Le Mesnil-sur-Oger in der Côte des Blancs. Cumières ist die Wurzel des Hauses und liefert von südexponierten Hängen reifen, breiten Meunier. Die Montagne bringt über Pinot Noir das Rückgrat, Le Mesnil-sur-Oger, Grand Cru auf tiefer Kreide, steuert den geraden, salzigen Chardonnay bei. Alle Böden sind kalkgeprägt. Diese Verteilung über drei Teilregionen ist genau der Grund, warum in der Champagne überhaupt verschnitten wird: Sie federt Jahrgangsschwankungen ab.
Frédéric Zeimett und der Neuanfang von 2012
Nach dem Tod von Pascal Leclerc-Briant kaufte 2012 eine Gruppe um Mark Nunnelly, Denise Dupré und Frédéric Zeimett das damals schwer angeschlagene Haus in Épernay. Zeimett, vorher unter anderem bei Chapoutier und Pommery, führt es seitdem. Die Produktion wuchs binnen weniger Jahre von einigen Zehntausend auf rund 200.000 Flaschen, ohne die Arbeitsweise aufzugeben: sämtliche Flächen biologisch und biodynamisch zertifiziert, im Keller spontane Gärungen und wenig Schwefel. Weil das Haus zusätzlich Trauben von zertifiziert biologisch arbeitenden Partnern zukauft, ist es kein Récoltant-Manipulant, sondern ein Erzeuger mit eigenem Rebbesitz und Ankauf. Der Réserve Brut stellt den größten Teil der Produktion und ist damit der Wein, an dem sich das Haus messen lässt.
20 Prozent Holzfass, über zwei Jahre sur lattes
Vergoren wird überwiegend im Edelstahltank, rund 20 Prozent der Grundweine reifen im gebrauchten Holzfass — daher die cremige Textur und der Pralinenton. Die malolaktische Gärung wird nicht blockiert, sondern zugelassen; sie baut Säurespitzen ab und macht die Textur weicher. Nach dem Tirage liegt die Cuvée mehr als zwei Jahre sur lattes auf der Hefe, deutlich länger als die vorgeschriebenen 15 Monate für Champagner ohne Jahrgang. Für den Basisjahrgang 2020 nennt das Haus 4,5 g/l Dosage, ältere Abfüllungen lagen knapp unter 4 g/l. Aus der Analyse einer Charge: 36 mg/l Gesamtschwefel, pH 3,0 und 21,4 g/l Trockenextrakt.
Servieren und kombinieren
Zehn bis zwölf Grad empfiehlt das Haus selbst; kälter serviert verliert die Cuvée ihre Gebäck- und Pralinennoten. Ein bauchiges Weißweinglas ist der schmalen Flöte klar vorzuziehen, eine Karaffe ist unnötig. Als Aperitif tragfähig, am Tisch zu Schweinefilet mit Senfsauce, Lammrücken, gereiftem Comté, gebratenem Zander, Pilzquiche und Geflügelfrikassee.
Häufige Fragen zum Leclerc-Briant Réserve Brut
Wofür steht Réserve im Namen dieser Cuvée?
Der Begriff verweist auf Reserveweine, also Grundweine älterer Ernten, die dem Basisjahrgang beigemischt werden. Sie geben Tiefe und Konstanz, damit die Cuvée Jahr für Jahr ähnlich schmeckt. Rechtlich geschützt ist die Angabe nicht, sie beschreibt eine Hausmethode.
Ist Leclerc Briant ein Winzerchampagner?
Nur teilweise. Ein Winzerchampagner im engen Sinn stammt von einem Récoltant-Manipulant, der ausschließlich eigene Trauben verarbeitet und mit dem Kürzel RM auf dem Etikett kenntlich ist. Leclerc Briant bewirtschaftet eigene Parzellen, kauft aber zusätzlich Bio-Trauben zu und fällt damit in die Kategorie Négociant-Manipulant.
Was bewirkt die malolaktische Gärung?
Bakterien wandeln die härtere Apfelsäure in mildere Milchsäure um. Das Ergebnis ist ein weicherer, cremigerer Gaumen mit weniger Säurespitzen, oft mit einem leichten Milchbrötchenton. Manche Häuser verhindern sie bewusst, um maximale Frische zu behalten, hier wird sie zugelassen.
Warum trägt die Flasche keinen Jahrgang?
Weil mehrere Ernten zusammengeführt werden: ein Basisjahrgang plus Reserveweine. Für Champagner ohne Jahrgang gelten mindestens 15 Monate Reifezeit, davon zwölf auf der Hefe; ein Millésime müsste dagegen mindestens 36 Monate liegen und aus einer einzigen Ernte kommen.
Was unterscheidet ihn vom Rosé desselben Hauses?
Der Réserve Brut ist von Meunier und Pinot Noir geprägt, gebäckbetont und cremig, mit 4,5 g/l dosiert. Der Rosé des Hauses besteht dagegen fast vollständig aus Chardonnay, ist knapper dosiert, schlanker und deutlich herber. Wer Cremigkeit sucht, greift zum Réserve.
Der Pehu Simonet Face Nord Brut ist der Basischampagner eines Récoltant-Manipulant aus Verzenay und kommt mit 12 % Vol. in der 0,75-Liter-Flasche in den Handel. Die Assemblage verbindet 75 % Pinot Noir mit 25 % Chardonnay aus den Grand-Cru-Gemeinden Verzenay, Verzy und Sillery; ein Viertel des Weins stammt aus einem Reservefundus, der bis in den Jahrgang 2000 zurückreicht. Der Etikettenname verweist auf die nach Norden gekehrten Hänge von Verzenay, wo die Trauben spät und langsam reifen. Goldgelb im Glas, mit Grapefruitschale, rotem Apfel und Brioche in der Nase. Fünf Gramm Dosage lassen den Wein trocken wirken, ohne die reife Pinot-Frucht zu beschneiden.
Die Verkostungsnotiz des Pehu Simonet Face Nord Brut
FARBE: Helles Goldgelb mit grünlichem Kern, die Perlage steigt in feinen, langsamen Ketten auf und bleibt als schmaler Kranz am Glasrand stehen.
NASE: Zuerst Grapefruitschale und roter Apfel, dahinter Quittengelee und ein Anflug gesalzener Mandel. Aus dem Hefelager kommen Brioche und geröstete Haselnuss, unterlegt von einem trockenen Kreideton.
GESCHMACK: Die Mousse fällt cremig und dicht aus und wird von einer klaren, nie spitzen Säure getragen. Reifer Apfel, Blutorange und ein Hauch Ingwer stehen über einem salzigen Grundton, der Extrakt der alten Reben gibt dem Mittelbau Fleisch.
FINALE: Trocken und ausdauernd, mit Kreide, Zitruszeste und einem leicht bitteren Mandelschluss.
Grand Cru Verzenay am Nordhang der Montagne de Reims
Verzenay ist eines der 17 Grand-Cru-Dörfer der Champagne und umfasst rund 420 Hektar Rebfläche zwischen 110 und 230 Metern Höhe. Anders als die Südhänge der Grande Montagne blicken die Parzellen hier nach Norden und Nordosten, was die Reife verzögert und Säure erhält. Unter einer Decke aus tonigem Schluff liegt harte Campan-Kreide, die Wasser speichert und im Wein als salziger Zug erscheint. Fast neunzig Prozent der Fläche sind mit Pinot Noir bestockt. Die Nachbardörfer Verzy und Sillery, aus denen ebenfalls Trauben in diese Cuvée gehen, tragen die gleiche Grand-Cru-Einstufung.
Pehu Simonet: Winzerchampagner in vierter Generation
David Pehu führt das Gut in Verzenay seit 1988 in vierter Generation und bewirtschaftet gut sieben Hektar, überwiegend in Grand-Cru-Gemeinden. Der Betrieb arbeitet biologisch zertifiziert, hält Schafe zur Pflege der Rebzeilen, pflügt teilweise mit Pferd und setzt auf Agroforst-Strukturen zwischen den Parzellen. Als Récoltant-Manipulant keltert Pehu ausschließlich Trauben aus eigenem Anbau und füllt selbst ab, was den Kern des Begriffs Winzerchampagner bildet. Im Rebsortenspiegel dominiert Pinot Noir mit etwa achtzig Prozent, den Rest stellt Chardonnay.
30 Monate auf der Hefe, 5 g/l Dosage
Vergärung und Ausbau der Grundweine verteilen sich auf rund 80 % Edelstahl und 20 % Holzfass, meist gebrauchte 228-Liter-Fässer aus dem Burgund. Die malolaktische Gärung läuft nur teilweise durch, sodass Cremigkeit und Säurebiss nebeneinander bestehen. Nach der zweiten Gärung liegt der Champagner rund 30 Monate auf der Hefe, deutlich länger als die vorgeschriebenen fünfzehn Monate für Champagner ohne Jahrgang. Die Dosage liegt bei etwa 5 g/l und bleibt damit im unteren Bereich der Brut-Stufe.
Servieren und kombinieren
Am besten bei 8 bis 10 °C in einem schlanken Weißweinglas servieren, das mehr Aroma freigibt als eine enge Flöte. Luft braucht der Champagner nicht, die Flasche wird direkt aus dem Kühlschrank geöffnet. Er passt zu Austern, gekochtem Hummer, Krabben mit Zitronenmayonnaise, gebratenem Zander, pochiertem Bresse-Huhn und jungem Comté.
Häufige Fragen zum Pehu Simonet Face Nord Brut
Was bedeutet Face Nord auf dem Etikett?
Face Nord heißt Nordseite und bezeichnet die nach Norden ausgerichteten Hänge von Verzenay, aus denen die Trauben stammen. Diese kühle Exposition verzögert die Reife und ist einer der Gründe für die frische Säure dieser Cuvée.
Was ist ein Grand Cru in der Champagne?
Anders als im Burgund bezieht sich die Einstufung auf ein ganzes Dorf, nicht auf eine einzelne Lage. In der Échelle des Crus tragen 17 Gemeinden den Rang Grand Cru, darunter Verzenay, Verzy und Sillery.
Wie trocken ist ein Brut?
Die Stufe Brut erlaubt bis zu 12 Gramm Restzucker pro Liter. Diese Cuvée liegt mit rund 5 g/l am trockenen Ende der Skala, weshalb Frucht und Kreidenote deutlicher hervortreten als eine Süßeempfindung.
Wie unterscheidet sich der Brut vom Face Nord Extra Brut desselben Guts?
Der Brut vereint drei Grand Crus, reift 30 Monate auf der Hefe und wird mit etwa 5 g/l dosiert. Der Extra Brut stammt allein aus Verzenay, liegt rund 42 Monate auf der Hefe und erhält nur etwa 2,5 g/l, wirkt also strenger und mineralischer.
Wie lange lässt sich die Flasche lagern?
Liegend, dunkel und bei gleichmäßig kühler Temperatur hält sich der Champagner mehrere Jahre und gewinnt dabei nussige und gebäckartige Noten. Die Perlage wird mit der Zeit feiner, die Frucht tritt in den Hintergrund.
Der Pehu Simonet Face Nord Brut Rosé ist die roséfarbene Variante der Hausreihe aus Verzenay und entsteht als Assemblage-Rosé: 75 % Pinot Noir und 25 % Chardonnay aus den Grand Crus Verzenay, Verzy und Sillery werden mit etwa 5 % rot ausgebautem Pinot Noir des Guts eingefärbt. Ein Viertel der Cuvée kommt aus einem laufend ergänzten Reservebestand. Die Flasche enthält 0,75 Liter mit 12 % Vol. Nach rund 30 Monaten Hefelager und einer Dosage von etwa 4 g/l zeigt sich ein seidiger Rosé mit Himbeere, Granatapfel und gesalzener Mandel.
Die Verkostungsnotiz des Pehu Simonet Face Nord Brut Rosé
FARBE: Lachsrosa mit kupfernem Schimmer und einem Hauch Orange am Rand, die Perlage bildet dichte, sehr feine Fäden.
NASE: Frische Himbeere und Granatapfel führen, dazu Hagebutte, Blutorangenschale und ein Anflug Ingwer. Im Hintergrund gesalzene Mandel, Hefegebäck und eine kühle Kreidenote.
GESCHMACK: Zart und cremig, die Mousse legt sich weich über den Gaumen. Rote Johannisbeere, Sauerkirsche und ein Tropfen Orangenblütenwasser bekommen von der lebendigen Säure Halt, ein Anklang Milchschokolade rundet die Mitte.
FINALE: Mittellang und klar, mit Zitruszeste, herber Hagebutte und salzigem Nachhall.
Drei Grand Crus der Montagne de Reims in einer Cuvée
Verzenay liefert das Rückgrat: kühl exponierte Nordhänge über kompakter Kreide, aus denen straffe, salzige Pinot-Weine kommen. Verzy schließt sich östlich an, liegt höher und näher am Waldrand der Montagne, was den Weinen zusätzliche Frische mitgibt. Sillery reicht am Fuß des Hangs in flachere Böden mit mehr Auflage und rundet die Cuvée mit etwas mehr Fülle ab. Alle drei Gemeinden gehören zu den 17 Grand Crus der Champagne, und alle drei sind stark von Pinot Noir geprägt, was den fruchtbetonten und dennoch schlanken Zuschnitt dieses Rosé erklärt.
Ein Familienbetrieb mit sieben Hektar in Verzenay
Der Name Pehu Simonet verbindet zwei Winzerfamilien, deren Flächen im Ort und in den Nachbargemeinden zusammengelegt wurden. Heute bewirtschaftet die vierte Generation gut sieben Hektar und füllt daraus eine überschaubare Menge von rund dreitausend Kisten im Jahr. Neben dem Kern in Verzenay gehören kleine Parzellen in Mailly, Le Mesnil-sur-Oger und Villers-Marmery zum Bestand, die je nach Cuvée eingesetzt werden. Die Arbeit im Weinberg ist biologisch zertifiziert, im Keller wird eher weggelassen als zugesetzt.
Rotweinzugabe statt Saignée, 4 g/l Dosage nach 30 Monaten
Die Farbe entsteht nicht durch Maischestandzeit, sondern durch die Zugabe eines eigenen roten Pinot Noir zur weiß gekelterten Basis, in der Champagne der übliche Weg. Rund 95 % der Grundweine reifen im Edelstahl, ein kleiner Anteil im Barrique, die malolaktische Gärung läuft nur teilweise. Nach der zweiten Gärung folgen etwa 30 Monate auf der Hefe, bevor mit rund 4 g/l dosiert wird. Diese knappe Dosage lässt die rote Frucht klar und ohne Marmeladenton erscheinen.
Servieren und kombinieren
Neun bis zehn Grad und ein Weißweinglas mit etwas Bauch bringen die Frucht am besten zur Geltung; auf eine schmale Flöte sollte man verzichten. Der Rosé ist kein Aperitif-Solist, sondern hält am Tisch mit. Er begleitet Lachstartar mit Limette, Thunfischtataki, rosa gebratene Entenbrust, Vitello tonnato, Ziegenkäse mit Feigen und Erdbeeren mit schwarzem Pfeffer.
Häufige Fragen zum Pehu Simonet Face Nord Brut Rosé
Wie entsteht die Farbe dieses Rosé-Champagners?
Dem hell gekelterten Grundwein wird ein Anteil von etwa fünf Prozent rot vergorenem Pinot Noir aus eigenen Weinbergen zugesetzt. Dieses Verfahren heißt Assemblage und ist in der Champagne als einzigem Anbaugebiet Frankreichs für Rosé ausdrücklich erlaubt.
Was unterscheidet Assemblage und Saignée?
Bei der Saignée bleibt der Most einige Stunden auf den Beerenschalen und wird dann abgezogen, was meist kräftigere Farbe und mehr Struktur ergibt. Die Assemblage erlaubt eine genauere Steuerung von Farbe und Frucht, wie hier gewünscht.
Ist ein Rosé-Champagner süßer als ein weißer Brut?
Nein, die Dosage entscheidet, nicht die Farbe. Mit etwa 4 g/l liegt dieser Rosé im trockenen Bereich der Stufe Brut, die rote Frucht wird lediglich als Süße wahrgenommen.
Wie lange kann die Flasche liegen?
Der Shop gibt eine Trinkempfehlung bis 2030 an. Rosé-Champagner dieser Machart verliert mit den Jahren an frischer Frucht, gewinnt aber Noten von Trockenobst, Tee und Gebäck.
Zu welchen Gerichten passt er besonders?
Die Kombination aus roter Frucht, Säure und knapper Dosage passt zu Fisch mit Röstaromen, Geflügel und hellem Fleisch. Auch klassische Vorspeisen mit Tomate oder Paprika funktionieren, weil die Säure diese Aromen aufnimmt.
Beim Pehu Simonet Face Nord Extra Brut kommen alle Trauben aus einer einzigen Gemeinde: Verzenay, Grand Cru an der Montagne de Reims. Im Glas ein goldgelber Champagner mit 12 % Vol., abgefüllt in der 0,75-Liter-Flasche, gekeltert aus 80 % Pinot Noir und 20 % Chardonnay von teils über siebzig Jahre alten Reben. Etwa ein Fünftel des Weins stammt aus Reserveweinen älterer Jahrgänge, die dem jungen Grundwein Tiefe geben. Rund 42 Monate Hefelager bauen Brioche-, Haselnuss- und Kreidenoten auf. Mit etwa 2,5 g/l Dosage bleibt die Cuvée deutlich in der Stufe Extra Brut und zeigt Frucht ohne süßen Rand.
Die Verkostungsnotiz des Pehu Simonet Face Nord Extra Brut
FARBE: Kräftiges Strohgold mit einem Anflug von Kupfer, die Bläschen sind sehr klein, steigen zögernd auf und tragen einen dauerhaften Schaumring.
NASE: Kirschwasser und Mirabelle treffen auf getrocknete Blüten und Minze. Darunter liegen Haselnuss, Hefegebäck und ein Duft nach nassem Kalkstein, der mit Luft an Kontur gewinnt.
GESCHMACK: Straff und geradlinig gebaut, die Mousse wirkt eher fein perlend als schäumend. Weinbergpfirsich, Grapefruit und ein herber Zitronenkern stehen im Vordergrund, die Säure zieht den Wein in die Länge statt in die Breite.
FINALE: Sehr lang, ausgesprochen salzig, mit Kreidestaub und einem Nachhall von gerösteter Mandel.
Ein Dorf, ein Terroir: Verzenay Grand Cru
Die Reben verteilen sich über den 2,8 Kilometer langen Hangzug von Verzenay, dessen Untergrund aus verhärteter, kompakter Kreide besteht. Weil der Hang zur kalten Seite der Montagne de Reims fällt, wird hier später gelesen als in den Grand Crus südlich des Waldrückens, und die Weine behalten eine hohe Gesamtsäure. Zwei Bauwerke prägen den Ort: der 1909 als Werbeträger errichtete Phare de Verzenay und die alte Mühle über den Rebzeilen. Verzenay gilt als das Dorf mit der geradesten, salzigsten Ausprägung des Pinot Noir; genau diese Linie zeichnet die Cuvée nach.
David Pehu und die Schule des Burgund
David Pehu hat seine Ausbildung als Kellermeister im Burgund absolviert und arbeitet seit dem ersten eigenen Jahrgang 1988 mit Holzfässern. Die meisten Fässer bezieht er aus burgundischen Betrieben, einzelne stammen aus Eiche des Waldes von Verzy. Neues Holz setzt er sparsam ein, damit die Röstnote das Terroir nicht überdeckt. Vergärung teilweise mit Naturhefen, wenig Schwefel und keine Anreicherung ohne Not gehören zum Programm des Hauses. Sein Leitsatz lautet, ein Jahrgang, eine Rebsorte, ein Ort.
42 Monate Hefelager und rund 2,5 g/l Dosage
Der Grundwein reift überwiegend im Edelstahl, ein Anteil von etwa zehn bis zwanzig Prozent im Fass. Die malolaktische Gärung wird nur teilweise zugelassen, was der Cuvée Spannung erhält. Nach der Flaschengärung folgt ein Hefelager von rund 42 Monaten, mehr als das Gesetz selbst für Jahrgangschampagner verlangt. Beim Dégorgement erhält der Wein nur etwa 2,5 g/l Zucker, sodass Extrakt und Salzigkeit ungeschminkt stehen bleiben.
Servieren und kombinieren
Nach dem langen Hefelager zeigt sich der Champagner bei 9 bis 11 °C offener als eiskalt, ein bauchiges Weißweinglas unterstützt das. Umfüllen ist nicht nötig, die Flasche verträgt aber gut eine halbe Stunde im Glas. Gute Begleiter sind rohe Austern, Sashimi vom Wolfsbarsch, Jakobsmuscheln aus der Pfanne, gebratener Steinbutt, Kalbstartar und lange gereifter Parmesan.
Häufige Fragen zum Pehu Simonet Face Nord Extra Brut
Was bedeutet Extra Brut genau?
Extra Brut steht für eine Dosage von 0 bis 6 Gramm Restzucker pro Liter. Dieser Champagner liegt mit etwa 2,5 g/l im unteren Drittel, weshalb er trockener und straffer wirkt als ein klassischer Brut.
Warum stammen die Trauben nur aus Verzenay?
David Pehu möchte in dieser Cuvée den Charakter des Dorfes zeigen, nicht den Ausgleich vieler Herkünfte. Verzenay steuert Säure, Kreide und einen salzigen Nachhall bei, die ohne Trauben anderer Gemeinden klarer erkennbar bleiben.
Was heißt Récoltant-Manipulant?
Ein Récoltant-Manipulant baut ausschließlich Trauben aus eigenen Weinbergen aus und füllt selbst ab. Das Kürzel RM steht klein auf dem Etikett und unterscheidet Winzerchampagner von den Cuvées großer Häuser, die Trauben zukaufen.
Was bringt ein Hefelager von 42 Monaten?
Beim Abbau der Hefezellen in der Flasche entstehen Aromen von Gebäck, Mandel und Butterkeks, und die Perlage wird feiner. Zugleich schützt die Hefe den Wein vor vorzeitiger Oxidation.
Wie kalt sollte er serviert werden?
Zu kalt verschließt sich die Aromatik. Neun bis elf Grad sind für diesen gehaltvollen Extra Brut günstiger als die üblichen sechs bis sieben Grad aus dem Eiskübel.
Der Pehu Simonet Fins Lieux 6 ist ein Parzellenchampagner aus der Nummernserie Fins Lieux, mit der das Gut einzelne Weinberge getrennt füllt. Nummer 6 steht für Les Basses Correttes in Verzenay, ein kleines Stück Chardonnay in einem Dorf, das fast ausschließlich Pinot Noir kennt. Entsprechend ist dies ein Blanc de Blancs aus 100 % Chardonnay, Grand Cru, mit 12 % Vol. in der 0,75-Liter-Flasche. Vergoren wird spontan im Edelstahl, danach liegt der Wein über vier Jahre auf der Hefe. Die Dosage bleibt im Bereich Extra Brut und lag beim Jahrgang 2016 bei rund 1,5 g/l, was Zitrus, Kreide und weiße Blüten unverstellt hervortreten lässt.
Die Verkostungsnotiz des Pehu Simonet Fins Lieux 6
FARBE: Blasses Zitronengelb mit silbrigem Glanz, die Bläschen sind winzig und ziehen in schnurgeraden Fäden nach oben.
NASE: Zitronenöl und Bergamotte öffnen den Duft, dahinter Williamsbirne, reifer Apfel und Akazienblüte. Mit der Zeit treten Kreide, ein Anflug Minze und feiner weißer Pfeffer hinzu.
GESCHMACK: Klar gezeichnet und beinahe kühl, die Mousse bleibt zurückhaltend und lässt der Textur Raum. Grapefruitsaft, Quitte und Zitronenschale treffen auf eine feste, gerade Säure, in der Mitte entsteht dennoch eine cremige Schicht aus dem langen Hefelager.
FINALE: Lang und schiefrig-salzig, mit Kalkstaub, Zitronenzeste und einem hellen, blumigen Nachhall.
Les Basses Correttes: Chardonnay im Pinot-Dorf Verzenay
Die Parzelle liegt am nördlichen Hang von Verzenay, wo Campan-Kreide mit Tonanteilen dicht unter der Oberfläche ansteht. Kreide hält Wasser und gibt es langsam ab, weshalb die Reben auch in trockenen Sommern gleichmäßig versorgt sind; im Wein hinterlässt der Boden einen kalkigen, salzigen Zug. Chardonnay ist hier die Ausnahme, denn fast neun von zehn Rebzeilen im Dorf tragen Pinot Noir. Auf dieser kühlen Seite der Montagne de Reims reift die Sorte spät und behält viel Säure, wodurch ein Blanc de Blancs entsteht, der weniger nach der cremigen Côte des Blancs und mehr nach Stein und Zitrus schmeckt.
Die Serie Fins Lieux von Pehu Simonet
Fins Lieux bedeutet etwa feine Orte und bezeichnet eine Reihe von sieben Einzellagen-Cuvées, die David Pehu getrennt vinifiziert und durchnummeriert. Dazu gehören unter anderem Les Perthois und Les Crayères in Verzenay sowie Les Chouettes im Premier Cru Villers-Marmery. Jede Nummer bekommt die Behandlung, die zur Lage passt, also Stahl oder Fass, malolaktische Gärung oder nicht. Die Mengen sind klein und werden nur in guten Jahren gefüllt; entfällt eine Nummer, erscheint sie in diesem Jahrgang gar nicht.
Spontanvergärung im Stahl und über 50 Monate auf der Hefe
Für diese Nummer verzichtet das Gut auf Holz und vergärt mit den weinbergseigenen Hefen im Edelstahltank, damit die Frucht der Parzelle ungefiltert durchkommt. Die malolaktische Gärung läuft nur teilweise, die Säure bleibt dadurch als tragende Achse erhalten. Nach der Flaschengärung ruht der Champagner mehr als vier Jahre auf dem Hefesatz, beim Jahrgang 2016 waren es 54 Monate. Die Dosage von rund 1,5 g/l ist eher ein Feinschliff als eine Süßung.
Servieren und kombinieren
Zehn bis zwölf Grad sind richtig, denn eiskalt verbirgt dieser Blanc de Blancs seine Textur. Ein normales Weißweinglas ist der schmalen Flöte klar vorzuziehen, umgefüllt wird nichts. Auf den Tisch passen Fine de Claire, Seeigel, gedämpfter Wolfsbarsch, Sushi mit Meeresfrüchten, Kalbsbries und ein 36 Monate gereifter Comté.
Häufige Fragen zum Pehu Simonet Fins Lieux 6
Was bedeutet Fins Lieux 6?
Fins Lieux ist die Bezeichnung der Einzellagen-Serie des Guts, die Zahl 6 steht für die Parzelle Les Basses Correttes in Verzenay. Jede Nummer der Serie zeigt einen anderen Weinberg, teils als Blanc de Noirs, teils als Blanc de Blancs.
Was ist ein Blanc de Blancs?
Ein Blanc de Blancs entsteht ausschließlich aus weißen Trauben, in der Champagne fast immer aus Chardonnay. Der Stil gilt als besonders zitrusbetont und mineralisch, im Gegensatz zum Blanc de Noirs aus rot beerigen Sorten.
Warum wächst in Verzenay überhaupt Chardonnay?
Auch in den Pinot-Dörfern der Montagne de Reims gibt es Parzellen mit hohem Kreideanteil und kühler Lage, die dem Chardonnay entgegenkommen. Solche Stücke waren lange Beigabe in Cuvées und werden erst seit einigen Jahren getrennt abgefüllt.
Welcher Jahrgang steckt in der Flasche?
Die Serie erscheint jahrgangsweise, der genaue Jahrgang und das Dégorgement-Datum stehen auf dem Rückenetikett der Flasche. Die Angaben im Shop nennen bislang keinen Jahrgang.
Kann man ihn noch lagern?
Ja, die feste Säure und die knappe Dosage sprechen für Lagerfähigkeit über mehrere Jahre. Aus Zitrus und Kreide entwickeln sich mit der Zeit Noten von Haselnuss, Honig und getrockneter Ananas.
Der Philipponnat Cuvee"1522" Rose 2014 ist die Rosé-Ausführung der Prestigelinie 1522, benannt nach dem Jahr, in dem sich die Familie Philipponnat in Aÿ niederließ. In der Cuvée stehen 82 % Pinot Noir aus der historischen Parzelle Le Léon in Aÿ und aus Mailly neben 17 % Chardonnay aus Verzy; die Farbe stammt von etwa 8 % rot ausgebautem Pinot Noir aus Mareuil-sur-Aÿ. Vinifiziert wird zu großen Teilen im Holzfass, ohne malolaktische Gärung, dosiert wird extra brut mit rund 4,25 g/l. Vor der Freigabe reifte der Jahrgang 2014 etwa acht Jahre im Keller. Blassrosa im Glas, mit Blutorange, Marzipan und Schwarzkirsche; 0,75 Liter mit 12 % Vol.
Die Verkostungsnotiz des Philipponnat Cuvée 1522 Rosé 2014
FARBE: Blassrosa mit lachsfarbenem Kern und einem Kupferstich am Rand, die Perlage ist feinperlig und sehr ausdauernd.
NASE: Intensiv und offen: Blutorange, Marzipan und Hagebutte, dazu Johannisbeere und getrocknete Rosenblätter. Aus Fass und langer Hefezeit kommen Mandelgebäck, Zimt und ein Anflug Kakaoschale.
GESCHMACK: Die Mousse ist dicht und feinkörnig, die Textur seidig. Schwarzkirsche, Zitrusschale und rote Johannisbeere werden von einer kühlen Säure geführt, die Fassnote bleibt am Rand und gibt eher Struktur als Aroma.
FINALE: Sehr lang, mineralisch, mit Kirschkern, Pfefferwürze und salzigem Kreidenachhall.
Le Léon in Aÿ: der historische Weinberg der Familie
Le Léon liegt im Grand Cru Aÿ, an einem der wärmsten Südhänge der Grande Vallée de la Marne, wo Kreide dicht unter der Krume steht. Die Familie bewirtschaftet diese Parzellen seit dem 16. Jahrhundert; sie liefern einen Pinot Noir mit ausgeprägter Mineralität und der für Aÿ typischen pfeffrigen Würze. Ergänzt wird die Cuvée durch Pinot Noir aus Mailly an der Montagne de Reims und Chardonnay aus Verzy, zwei Grand Crus der kühleren Nordseite. Weil der farbgebende Rotwein aus dem Premier Cru Mareuil-sur-Aÿ stammt, trägt der Rosé insgesamt die Einstufung Premier Cru.
1522: das Gründungsjahr auf dem Etikett
Der Namensgeber der Linie ist ein Datum: 1522 kam Apvril Le Philipponnat in die Champagne und brachte Rebland in Aÿ in die Familie, darunter Le Léon. Charles Philipponnat hat die Cuvée nach seinem Amtsantritt im Jahr 2000 aufgelegt, um diese Herkunft eigenständig zu zeigen. Sie erscheint nur in Jahrgängen, die dafür taugen, als Blanc und als Rosé, und reift sechs bis acht Jahre im Keller, bevor sie verkauft wird. Das Haus dosiert seine Weine bewusst niedrig, weil Zucker die Herkunft überdecken würde.
Fassvergärung ohne malolaktische Gärung, rund 4,25 g/l
Ein großer Teil der Grundweine dieser Linie vergärt im Holzfass, die malolaktische Gärung bleibt aus; die Apfelsäure bleibt erhalten und mit ihr die Spannung im Wein. Der rot vergorene Anteil von etwa 8 % wird separat als Stillwein ausgebaut und erst bei der Assemblage zugegeben, ein in der Champagne zugelassenes Verfahren. Nach der Flaschengärung folgen mehrere Jahre auf der Hefe in den Kellern von Mareuil-sur-Aÿ. Das Dégorgement-Datum ist auf jeder Flasche vermerkt, die Dosage liegt bei etwa 4,25 g/l.
Servieren und kombinieren
Ein reifer Rosé-Jahrgang wie dieser braucht 10 bis 12 °C und ein weites Weißweinglas, damit Marzipan und Blutorange Platz haben. Zu kalt serviert wirkt er verschlossen und schmal. Am Tisch passt er zu Lammrücken, Langusten, Taube, gebratenem Rotbarbenfilet, Ente mit Kirschen und zu Desserts mit Erdbeeren oder Himbeeren ohne viel Zucker.
Häufige Fragen zum Philipponnat Cuvée 1522 Rosé 2014
Warum heißt die Cuvée 1522?
1522 ist das Jahr, in dem sich die Familie Philipponnat in Aÿ ansiedelte und Rebland im Weinberg Le Léon erhielt. Die Linie 1522 zeigt genau diese historischen Parzellen.
Woher kommt der Rotweinanteil?
Er stammt aus eigenen Pinot-Noir-Weinbergen in Mareuil-sur-Aÿ und wird als Stillwein rot vergoren. Bei der Assemblage gibt der Kellermeister rund acht Prozent davon zu, was Farbe, Frucht und etwas Struktur einbringt.
Warum steht Premier Cru und nicht Grand Cru auf dem Etikett?
Die Einstufung richtet sich nach der niedrigsten beteiligten Gemeinde. Weil der farbgebende Rotwein aus dem Premier Cru Mareuil-sur-Aÿ kommt, darf die Cuvée trotz Aÿ, Mailly und Verzy nur Premier Cru heißen.
Ist der Jahrgang 2014 jetzt trinkreif?
Ja, nach etwa acht Jahren Kellerreife und weiterer Zeit in der Flasche ist er auf dem Punkt. Die Primärfrucht hat sich Richtung Trockenobst und Gebäck verschoben, die Säure hält den Wein aufrecht.
Wie lange kann man ihn weiter lagern?
Die Shop-Angabe nennt rund zehn Jahre, und die niedrige Dosage mit der erhaltenen Apfelsäure stützt das. Liegend, dunkel und bei gleichmäßig kühler Temperatur entwickelt er weitere tertiäre Noten.
Der Philipponnat Non Dose ist die vollständig undosierte Fassung der Hauscuvée von Philipponnat in Mareuil-sur-Aÿ und trägt kein Gramm Zucker aus der Dosage. Die Assemblage besteht aus etwa 67 % Pinot Noir, 31 % Chardonnay und 2 % Meunier, ausschließlich aus erster Presse und überwiegend aus Premier- und Grand-Cru-Gemeinden der Montagne de Reims sowie aus dem Heimatort des Hauses. Rund ein Drittel des Weins kommt aus einer im Holzfass geführten Réserve Perpétuelle. Nach drei Jahren auf der Hefe zeigt sich ein dunkles Strohgelb mit Lindenblüte, Grapefruit und warmem Brot. Die Flasche enthält 0,75 Liter mit 12 % Vol.
Die Verkostungsnotiz des Philipponnat Non Dose
FARBE: Dunkles Strohgelb mit goldenen Reflexen, die Perlage ist fein und schaumig ausdauernd, ohne grob zu werden.
NASE: Lindenblüte, Weißdorn und Rebblüte stehen vorn, dazu Grapefruit und Zitronenmelisse. Aus Fass und Hefelager kommen warmes Brot, Haselnuss und ein trockener Honigton.
GESCHMACK: Der Einstieg ist glatt und gerade, die Mousse trägt statt zu polstern. Ohne Zuckerpuffer stehen Extrakt, Kreide und Zitrusfrucht offen da, die Reserveweine aus dem Holz geben eine nussige, leicht ölige Mitte.
FINALE: Klar und schlank, mit frischem Apfel, Brotkruste und einem trocken-mineralischen Nachhall.
Mareuil-sur-Aÿ: Premier Cru in der Grande Vallée de la Marne
Der Sitz des Hauses liegt in Mareuil-sur-Aÿ, einem Premier Cru mit 99 Prozent in der alten Échelle des Crus und damit einen Punkt unterhalb der Grand-Cru-Stufe. Die knapp 291 Hektar Rebfläche sind zu rund 84 Prozent mit Pinot Noir bestockt, der Rest verteilt sich auf Chardonnay und Meunier. Die Hänge der Grande Vallée de la Marne blicken nach Süden auf den Fluss und reifen selbst in kühlen Jahren zuverlässig aus. Unmittelbar westlich beginnt Aÿ, ein Grand Cru, dessen Trauben ebenfalls in die Keller des Hauses gehen.
Philipponnat, seit 1522 in der Champagne
Die Familie datiert ihre Ansiedlung in der Champagne auf das Jahr 1522, als Apvril Le Philipponnat sich in Aÿ niederließ; sechzehn Generationen später führt Charles Philipponnat das Haus. Das moderne Unternehmen entstand 1910, als Auguste und Pierre Philipponnat die Kellereien des Château de Mareuil erwarben. Heute gehören etwa zwanzig Hektar in Premiers und Grands Crus zum Besitz, ergänzt um Trauben langjähriger Partnerwinzer. Bekanntester Weinberg ist der Clos des Goisses in Mareuil-sur-Aÿ, eine knapp sechs Hektar große Monopollage, die hier nur als Hintergrund dient.
Reserveweine im Holz, drei Jahre Hefelager, null Gramm Dosage
Ein Teil der Grundweine wird im Fass vergoren, die malolaktische Gärung läuft nur teilweise durch. Etwa 34 Prozent der Cuvée stammen aus einer Réserve Perpétuelle: einem Bestand, der jedes Jahr entnommen und mit dem neuen Jahrgang wieder aufgefüllt wird, sodass sich immer älterer Wein im Fass hält. Anschließend reift der Champagner drei Jahre bei konstant kühler Kellertemperatur auf der Hefe, weit über den vorgeschriebenen fünfzehn Monaten. Beim Dégorgement bleibt die Dosage bei 0 g/l, der Wein muss ohne Zucker bestehen.
Servieren und kombinieren
Acht bis zehn Grad genügen, ein Glas mit Bauch zeigt mehr als eine Flöte, umgefüllt wird nichts. Weil jede Süße fehlt, sollten die Speisen nicht süßlich sein. Passend sind Austern, Sashimi, gedämpfte Miesmuscheln, gebratene Garnelen, Frischkäse mit Kräutern und ein Blattsalat mit Zitrusdressing.
Häufige Fragen zum Philipponnat Non Dose
Was bedeutet Non Dosé?
Non Dosé heißt, dass beim Dégorgement keine Zuckerlösung zugegeben wird, der Restzucker liegt bei 0 g/l. Auf dem Etikett taucht dafür auch Brut Nature oder Dosage Zéro auf, gesetzlich sind bis 3 g/l erlaubt.
Was ist eine Réserve Perpétuelle?
Sie funktioniert wie eine Solera: Aus einem Fassbestand wird jährlich ein Teil entnommen und mit frischem Wein ersetzt. So enthält die Cuvée immer Anteile vieler Jahrgänge, was Tiefe gibt und Jahrgangsschwankungen ausgleicht.
Schmeckt ein Champagner ohne Dosage sauer?
Nur wenn die Trauben nicht reif genug waren. Philipponnat liest bewusst später als der Durchschnitt der Region, und die Reserveweine aus dem Holz geben Substanz, sodass die Cuvée trocken, aber nicht mager wirkt.
Wie heißt diese Cuvée heute?
Das Haus hat die Royale Réserve inzwischen in Réserve Perpétuelle umbenannt, die undosierte Variante läuft entsprechend als Réserve Perpétuelle Non Dosé. Inhaltlich handelt es sich um dieselbe Linie.
Wie lange kann man die Flasche aufbewahren?
Ohne Dosage entwickelt sich ein Champagner rascher, weil der Zucker als Puffer fehlt. Innerhalb von zwei bis drei Jahren nach dem Kauf zeigt er sich am ausgewogensten, bei kühler Lagerung liegend auch länger.
Inhalt:
0.75 Liter
(69,20 €* / 1 Liter)
51,90 €*
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